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Ratgeber Anschreiben (1): Grundlagen

Ratgeber Anschreiben (1): Grundlagen

Ratgeber Anschreiben (1): Grundlagen


Anschreiben (1): Die Grundlagen

Was unterscheidet Anschreiben, die der Löschtaste zum Opfer fallen, von denen, die den Personalisten förmlich zum Weiterlesen zwingen? Das erfahren Sie in Teil eins der Ratgeberserie Anschreiben.



Von Thomas Duschlbauer

Bevor Sie zu schreiben beginnen, horchen Sie tief in sich hinein und werden sich über die eigenen Bedürfnisse klar. Mit dieser gedanklichen Vorarbeit sind Sie in der Lage, den Beschreibungen der persönlichen Stärken oder Kompetenzen die nötige Emotion und Leidenschaft zu geben.

Aktiv formuliert und gründlich recherchiert

Dazu Bewerbungscoach Jörg Krenmayr: "Im Hinterkopf sollte man die Formel 'Leistung = Wollen x Können' haben – wobei in einem Markt mit vielen Bewerbern das Wollen – die Motivation – oft den Ausschlag gibt. Keiner will Mitarbeiter, die zwar fähig sind, aber die man auf jede Aufgabe aufmerksam machen, die man zur Arbeit hintragen muss. Ein aktiv formuliertes Anschreiben, vermittelt den Eindruck eines engagierten Menschen. Was hat mir bei meinen früheren Tätigkeiten Spaß gemacht, was war spannend, inspirierend und interessant? Wer sich aktiv mit Aufgaben auseinandersetzt, der lernt viel und schnell. Solche Leute hat man gerne um sich – solche Menschen nützen dem Unternehmen."

Die zweite Pflichtübung besteht darin, sich auf der Website des Unternehmens ausführlich über Werte, Sprachstil, Daten und Fakten zu informieren. Ihr Anschreiben ist dann als gelungen zu bewerten, wenn Sie die in der Stellenanzeige oder mündlich geforderten Qualifikationen mit Ihren Persönlichkeitseigenschaften zu einer Synergie vereinen.

Typische Fehler im Anschreiben

Der Personalentscheider achtet in erster Linie darauf, wie sehr diese beiden Kriterien übereinstimmen. Seine Leitmaxime lautet: Wer nützt meiner Firma am meisten?

Berufsanfänger und -wiedereinsteiger greifen bei Bewerbungsschreiben meist auf Ratgeber zurück, die Standardempfehlungen abgeben. Das mag für Formalkriterien wie Länge oder Layout sinnvoll sein. Um sich aber stilistisch und inhaltlich vom Mainstream abzuheben, erweisen phrasenartige Formulierungen und Textblöcke nur einen Bärendienst. Das sollten Sie auch bei den Musteranschreiben beachten, die Monster zur Verfügung stellt.

Erstbewerber und Berufseinsteiger setzen - noch mehr als Ältere - auf Masse statt Klasse, gehen nicht auf das Zielunternehmen ein, verwenden Vordrucke oder Textbausteine und verstehen es nicht, ihre Persönlichkeit zur Geltung zu bringen.

Allen gefallen und auffallen - nicht immer das gleiche

Krenmayr: "Viele haben bei der Formulierung Bedenken wegen der Gratwanderung, zu dick aufzutragen oder zu zurückhaltend zu schreiben. Man will ja nichts falsch machen. Wer jedoch versucht allen zu gefallen, der wird keinem wirklich gefallen – oft noch nicht mal auffallen. Sie müssen als Bewerber nicht bei jedem gut ankommen. Es ist viel erfolgversprechender, wenn Sie mit klaren Äußerungen ein konkretes Profil Ihrer Persönlichkeit abgeben – egal ob das eher zurückhaltend ist oder extrovertiert. Wer wage bleibt, bleibt konturlos und dann findet der Leser nichts, an dem seine Gedanken Halt finden. Lieber fünf klare Absagen und fünf klare Zusagen, als zehnmal in der Masse unterzugehen."

Neben der Selbsteinschätzung hilft auch der Blick von außen, meint der Experte: "Fragen sie doch einmal ihre ehemaligen Arbeits- oder Studienkollegen beziehungsweise ihr näheres Umfeld, was ihre besonderen Eigenschaften und Stärken sind. Vergessen sie die Schwächen, denn hier können maximal sie sich eine Antwort geben. Nicht alles, was sie nicht können, ist eine Schwäche. Nur Fähigkeiten und Eigenheiten, die sie von ihren persönlichen Zielen abhalten, sind Schwächen – anderes ist irrelevant. In der Bewerbung punkten Sie jedoch mit Ihren Stärken."

Keine Floskeln - konkret bleiben

Der Kandidat sollte wie gesagt dabei Floskeln vermeiden. Das Attribut "flexibel" ist zu wenig aussagekräftig; vielmehr sind Beispiele aus seiner bisherigen beruflichen Praxis anzuführen. Das stellt zum einen weitere positive Merkmale in den Vordergrund (wenn man für jemand eingesprungen ist, zeigt dies auch Uneigennützigkeit und Teamgeist). Zum anderen erzeugen Berichte eigener Erfahrungen Bilder im Kopf des Personalchefs. "Gerade wenn Sie mit den typischen Problembereichen des avisierten Aufgabenbereichs vertraut sind, können Sie vermitteln, wie Sie gelernt haben, mit den Herausforderungen umzugehen, was Sie gelernt haben und was sich dadurch in der Leistung verbessert hat", so Krenmayr.

Weitere wichtige Tipps

Kurze, lebhafte Sätze mit eigenständigen Formulierungen und ohne werbliche Übertreibungen einbauen. Der Bezug zum Anforderungsprofil soll klar zu ersehen sein.

Frei von Rechtschreibfehlern und von Grammatikfehlern muss das Anschreiben sein. Daher empfiehlt es sich auch, ihn Korrektur lesen lassen.

Persönlichen und fachlichen Stärken herausstellen und auf relevante, bisherige Tätigkeiten eingehen.

(Bild: Riccardo Cova, istockphoto)


Teil 1: Allgemeines zum Anschreiben
Teil 2: Die ersten Sätze sind oft die schwersten
Teil 3: Der Hauptteil des Anschreibens
Teil 4: Was in den Schlussteil gehört
Teil 5: Formalien, Länge und Layout

 


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