Ratgeber Anschreiben (2): Die ersten Sätze

Ratgeber Anschreiben (2): Die ersten Sätze

Ratgeber Anschreiben (2): Die ersten Sätze


Anschreiben (2): Die Einleitung

Jedes Anschreiben braucht eine Einleitung. Wir sagen, was gar nicht geht und geben Beispiel für die ersten Sätze? Teil zwei der Ratgeberserie Anschreiben.


Von Thomas Duschlbauer

Die Einleitung muss eine Duftspur zum Hauptteil legen, der der Leser neugierig folgt. Gerade der erste Satz muss Spannung aufbauen. Er erwähnt auf jeden Fall die Stelle, für die man sich bewirbt.

Werden Sie nicht der "Langweiler des Jahres"

Der Einstieg bezieht sich meist auf die Quelle, die auf die Stelle hingewiesen hat (wie Anzeigen, Websites, dritte Personen) oder eine weiter Referenz (z.B. per Telefonat).

Mit "Hiermit bewerbe ich mich…" ist der Schreiber schon Anwärter auf den Preis "Langweiler des Jahres". Die Motivation für die Bewerbung kommt im Einstieg schon glasklar zum Ausdruck und steht mit der Firma eindeutig in Verbindung.

Achtung vor Amtsdeutsch

Empfehlenswert: Vorerst das Unternehmen und seine Besonderheiten herausstellen, danach die eigene Person und die dazu passenden Interessen (z.B.: "Da Ihre Firma auf Krantechnik spezialisiert ist, habe ich das Stellenangebot auf Ihrer Website mit großem Interesse aufgenommen. Denn …).

Bereits für die Einleitung gilt: Verstecken Sie sich nicht hinter Amtsdeutsch, sondern präsentieren Sie mit Engagement Ihre Persönlichkeit - das kommt bei Personalisten gut an. Trockene Sachinformationen sind im Lebenslauf besser aufgehoben, dem Anschreiben nehmen sie zu viel an Farbe.

So geht es gar nicht

Wie man nicht formulieren soll.

"Sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige auf der Website des Arbeitsmarktservice gelesen und möchte mich hiermit um die ausgeschriebene Lehrstelle als Großhandelskaufmann bewerben. Ich habe mich gründlich über das Berufsbild, die Ausbildungsinhalte und die damit zusammenhängenden Anforderungen informiert und bin überzeugt, diese erfüllen zu können. Derzeit besuche ich die 3. Klasse der HBLA für Wirtschaftliche Berufe in Linz, die ich im Sommer 2012 abschließen werde."

Dazu Bewerbungscoach Dr. Jörg Krenmayr: "Dass man großes Interesse hat, kann man schreiben, aber Wirkung entfaltet eine solch substanzlose Behauptung nicht. Nur wenn man das "Warum" mitliefert und das Interesse nachvollziehbar wird, kann man den Leser wirklich erreichen. Eine gute Einleitung gelingt dann, wenn man sich nach dem Durchlesen der Stellenanzeige fragt, warum diese so gut gefallen hat. Diese Begründung ist einleitend zu vermitteln und soll ehrlich gemeint sein, damit die Bewerbung in sich als Ganzes authentisch bleiben kann. Je ehrlicher und freier Sie schreiben, umso mehr Kraft und Lebendigkeit wird das Schreiben enthalten und sich beim Leser entfalten."

Dass man sich über den Beruf mit all seinen Anforderungen informiert, ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit, die keiner Erwähnung im Anschreiben bedarf.

Mögliche Formulierungen

"Es reizt mich besonders, die Führung des Sekretariats Ihres internationalen Unternehmens mit meinen ausgezeichneten Englischkenntnissen und meiner fünfjährigen Auslandserfahrung in London zu bereichern…"

"...während meiner zehnjährigen Tätigkeit als Buchhalter in der Firma Mustermann GmbH in Wien habe ich eine umfangreiche Berufspraxis erworben. Zu meinen Aufgaben gehörten..."

"...ich habe im vergangenen Frühjahr meine Lehre zur Versicherungskauffrau bei der XY Versicherung erfolgreich abgeschlossen. Anschließend habe ich auf eigenen Wunsch als Schadensreferentin direkt mit Kunden Erfahrungen sammeln können..."

Direkt zur Sache kommen

Es geht aber auch direkt – ohne Einleitungssatz. Nehmen Sie gleich im ersten Satz Bezug auf den wichtigsten Punkt, nämlich Ihre Motivation für die Stelle. Sie haben langjährige Erfahrung im IT-Bereich, die gewünschten Buchhaltungskenntnisse, beherrschen fließend Englisch auf Verhandlungsniveau – damit heben Sie sich von der Masse ab.

(Bild: Riccardo Cova, istockphoto)


Teil 1: Allgemeines zum Anschreiben
Teil 2: Die ersten Sätze sind oft die schwersten
Teil 3: Der Hauptteil des Anschreibens
Teil 4: Was in den Schlussteil gehört
Teil 5: Formalien, Länge und Layout