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Das Bewerbungsfoto: Bitte lächeln-oder doch nicht?

Das Bewerbungsfoto: Bitte lächeln-oder doch nicht?

Immer öfter wenden sich Jobsuchende für das Bewerbungsfoto an professionelle Portraitfotografen. Schließlich gibt es viele fotografische Fehler, die den ersten Eindruck verderben können. Und die gilt es zu vermeiden. [12.03.2007]




"Wenn dem Jobsuchenden das Bewerbungsfoto nichts Wert ist, dann ist ihm auch der Job nichts Wert." Harte Worte, doch sie kommen von einem, der es wissen muss: Michael Weinwurm ist Fotograf in Wien und hat schon viele Lebensläufe mit professionellen Portraits ausgestattet.

Die Zeiten schlampiger Schnappschüsse sind vorbei

Seine Ansichten teilen auch Personaler und Bewebungstrainer, denn das Foto am Lebenslauf wird heute stärker beurteilt als je zuvor. Viele Arbeitssuchende reagieren deshalb verunsichert: Sollte das Foto großformatig sein oder als Passbild kommen? Wirkt Schwarzweiß seriöser als Farbe? Welcher Auftritt passt zur jeweiligen Branche? Wo einst Billigfotos vom Bahnhofsautomaten angeheftet waren, da prangen heute immer öfter hochwertige Portraitaufnahmen aus dem Studio.

"Der erste Eindruck, den man bei Begegnungen hervorruft, ist ein visueller", betont Dr. Leopold Faltin, Coach und Unternehmensberater aus Wien. "Wir stellen uns aufgrund dieses Eindrucks schon unbewusst auf bestimmte Verhaltensweisen, Charakterzüge, Werthaltungen des für uns unbekannten Menschen ein. Ob wir damit Recht haben, ist eine andere Frage. Aber das ist eben die Wirkung auf der unbewussten Ebene." Auch Faltin misst guten Bewerbungsfotos große Bedeutung zu; die Zeiten schlampiger Schnappschüsse sind vorbei.

Der Trend geht in Richtung Profibild

"Auf keinen Fall gehen Urlaubsfotos, Freizeitbilder und dergleichen", winkt Michael Weinwurm ab. Der Trend geht ganz klar in Richtung Profibilder, die jedem Hollywoodstar Ehre machen würden. Er warnt aber zugleich vor Übertreibungen: "Schwarzweiß ist etwas für übertriebene Selbstdarsteller." Empfehlenswert seien sie nur für ganz wenige Jobs.

Überhaupt ist die individuelle Betreuung wichtig. Sie geht einem guten Shooting voraus und sollte im Preis inkludiert sein. Bewerbungstrainer empfehlen, sich mit dem Fotografen erst einmal in Ruhe über den angestrebten Job im Voraus zu unterhalten. Dabei sollte man auch nach Referenzarbeiten fragen.

Tipp: Um eine Stufe eleganter kleiden als sonst

Bei guten Fotografen spürt man sofort, ob sie die nötige Erfahrung einbringen können, um individuelle Bedürfnisse des Jobsuchenden zu berücksichtigen. Auf keinen Fall sollten sich Bewerber in eine Schablone pressen lassen. "Natürlich sind Dresscode und Auftreten in den verschiedenen Branchen nicht identisch - beim Banker ist eine seriöse Bekleidung mit Krawatte auf dem Bild selbstverständlich, eine Eventmanagerin dagegen kann ruhig kreativer und unkonventioneller gekleidet sein. Dennoch sind die branchenspezifischen Unterschiede beim optimalen Bewerbungsfoto nicht allzu groß", meint Franz Pfluegl, auch er Portraitfotograf in der Bundeshauptstadt.

Pfluegl gibt einen praktischen Tipp für die Wahl der Kleidung, der in jeder Branche berücksichtigt werden kann: "Wählen Sie für das Foto eine um eine Stufe elegantere oder gehobenere Kleidung, als sie tatsächlich in der Arbeit tragen würden. Dann entsprechen sie genau ihren Branchenanforderungen." Die Gefahr, "overdressed" zu wirken sei eher gering.

Bewerber sind tendenziell underdressed

"Öfter kommt es vor, dass die Leute underdressed sind. Programmierer oder EDV-Leute sind mir da besonders aufgefallen", sagt Pfuegl. Wichtig sei es auch, grelle Farben bei Kleidung, Hintergrund oder Make-up zu vermeiden. Dazu vermitteln eine entspannte Körperhaltung und ein offener Gesichtsausdruck ein freundliches Gesamtbild vom Bewerber.

Unterschiede bei den Fotos von Männern und Frauen und ihrer Wirkung auf den Personaler - auch die gibt es. Wissenschaftlich untersucht hat sie die Soziologin Anke von Rennenkampff für ihre Doktorarbeit. Dabei zeigte sie ganz klar, dass Frauen, die mit besonders weiblichen Reizen fotografisch bestechen wollen, schlechtere Chancen bei der Jobsuche haben.

Feminine Züge eher kaschieren

"Frauen, die sich auf eine Führungsposition bewerben, sollen versuchen, ihre femininen Züge etwas zu kaschieren", rät die Wissenschaftlerin. Oft reiche es schon, lange Haare hochzustecken, um Zielstrebigkeit, Führungskompetenz und Autorität zu vermitteln.

Ganz konkrete Tipps geben die Profis auch in Sachen Format: Passbildgröße passe nur bei Bewerbungen bis zum mittleren Management. Sechs mal neun Zentimeter seien bei Bewerbungen um Jobs im mittleren Management angebracht, 13 mal 18 Zentimeter für echte Führungspositionen, so Michael Weinwurm.

Entspannt zum Fotografen gehen

"Allerdings wird heute vieles auch schon per E-Mail versandt. Da ist es aber auch wichtig, die richtige Dateigröße zu haben." Bei konventionellen Bewerbungen ist das Foto üblicherweise rechts oben auf der ersten Seite des Lebenslauf angebracht. Größere Fotos werden oft auch auf einem separaten Blatt aufgeklebt - dabei ist auf eine saubere Ausführung zu achten, Flüssigkleber ist zu vermeiden, sonst könnte das Papier unerwünscht Wellen schlagen.

Wichtig ist es, einen kühlen Kopf zu behalten und entspannt zum Shooting zu gehen: "Wenn jemand nicht so sicher vor der Kamera ist", schließt Franz Pfluegl, "dann sollte man möglicht viele, verschiedene Fotos machen." Bei mehreren Varianten finde man dann in der Auswahl sicher das passende Bild für die optimale Bewerbung.

(Benedikt Mandl / Bild: Digital Vision)


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