Lebenslauf: EU-Standards setzen sich durch

Lebenslauf: EU-Standards setzen sich durch

Seit Jahrzehnten haben Österreicher ihren Lebenslauf nach demselben Schema verfasst. Doch je enger Europa zusammenrückt, gelten in puncto Bewerbung neue Regeln. Der so genannte EU-Lebenslauf setzt sich immer mehr durch. [13.08.2007]



Beginnend mit der Schulbildung führten Standardphrasen im traditionellen Lebenslauf zu Berufserfahrung und schließlich privaten Dingen, die potenzielle Arbeitgeber interessieren könnten. Langsam ist damit Schluss: Ohne großes Getöse setzen sich vermehrt Lebenslaufformate nach internationalen Standards durch. Und die bringen so manche Neuerung.

Handschriftliche Lebensläufe sind out

"Handschriftliche Lebensläufe gibt es eigentlich gar keine mehr", sagt Dr. Friedrich Ferstl von "BiBer - Bildungsberatung für Erwachsene". Die Salzburger Organisation unterstützt Menschen bei Fragen zu Karriere und Bildung im nicht-schulischen Bereich. "Wenn überhaupt, dann werden Schriftproben gefordert." Aber auch die seien eher exotische Ausnahmen.

Der neue Lebenslauf ist schlank, tabellarisch strukturiert und übersichtlich. Die heute gängigste Form des Lebenslaufs oder "CV" (Curriculum Vitae) folgt Vorlagen, die von der EU definiert werden. Der Vorteil: Auch im internationalen Bereich sind Bewerber damit vor stilistischen Patzern geschützt. Vor allem in einem kleinen Land wie Österreich kann das sehr nützlich sein.

Schlank, tabellarisch und übersichtlich

Neu ist zum Beispiel die Reihung, also die Abfolge von Ausbildung und Berufserfahrung: Traditionell beginnt man im deutschsprachigen Raum mit der Schule und schließt mit der gegenwärtigen Position. Der EU-konforme, tabellarische Lebenslauf ist "gegenchronologisch": Er beginnt mit dem letzten oder gegenwärtigen Job und endet mit der Ausbildung.

"Prinzipiell geht beides", sagt Gitte Härter. Die Berufstrainerin ist Autorin zahlreicher Karriereratgeber und gefragte Expertin in Sachen Bewerbung. "Ich empfehle aber, mit der aktuellsten Position zu beginnen. Wenn jemand schon mehrere berufliche Stationen hatte, interessiert den Personaler immer das aktuellste mehr, als wo man vor Jahren in der Schule war."

Die gegenchronologische Variante setzt sich durch

Darüber hinaus passt der gegenchronologische CV auch besser zur modernen Berufskultur: Immer mehr Menschen sind in Berufen tätig, für die sie ursprünglich gar keine fachspezifische Ausbildung gemacht haben. "Wenn ich also ein Quereinsteiger bin", so Härter, "dann kann ein chronologischer Lebenslauf dazu führen, dass der Personaler beim Überfliegen des CVs mich als falsch qualifiziert einschätzt."

Hat zum Beispiel ein Mann einst eine Lehre zum Schreiner gemacht, war dann aber als Projektleiter in einem IT-Unternehmen tätig, dann könnte der erste Blick auf den Lebenslauf missverständlich sein. "Da hat der Personaler dann lauter Bewerbungen von IT-Fachleuten vor sich, die meisten davon sind einschlägig qualifiziert. Nun liest er die Bewerbung des Quereinsteigers und sieht gleich: 'Lehre zum Schreiner', was dann womöglich im Kopf hängen bleibt." Ist der Lebenslauf aber gegenchronologisch, so fällt die einschlägige Erfahrung in den Bereichen Projektleitung und IT zuerst auf.

Lebenslauf strategisch strukturieren

Hier bieten sich Bewerbern auch Möglichkeiten zur strategischen Strukturierung: Nachdem beide Formate grundsätzlich akzeptiert werden, sollte der Lebenslauf unter bestimmten Umständen chronologisch angelegt werden. Nämlich dann, wenn die ursprüngliche Ausbildung und Berufserfahrung für den angestrebten Job relevanter sind, als die aktuelle berufliche Tätigkeit.

Entgegen gängiger Klischees erfolgen die meisten Bewerbungen in Österreich auf Deutsch. "Englische Lebensläufe sind nur selten erforderlich und sicher nicht üblich", sagt Friedrich Ferstl. Das gelte auch für den EU-konformen Lebenslauf, denn seine Empfehlungen regeln nur das Format, nicht aber die Sprache. Auf jeden Fall aber sollten zuerst Name und Anschrift stehen.

Ein Bewerbungsfoto sollte nicht fehlen

Das Bewerbungsfoto ist im EU-Format nicht vorgesehen, im deutschsprachigen Raum aber nach wie vor dringend zu empfehlen. Es folgen Ausbildung und beruflicher Werdegang in zwei Spalten: Links die genauen Daten, rechts die Tätigkeit.

Am Ende können kurz private Interessen, Preise und Auszeichnungen oder gesellschaftliche Aktivitäten genannt werden. Während traditionelle Lebensläufe ausformulierte Sätze wie "zwischen Oktober 1999 und Juli 2004 studierte ich Bergbau an der Montanuniversität Leoben" beinhalten konnten, sieht das EU-Modell nur Stichworte vor: "Oktober 1999 - Juli 2004, Studium Bergbau, Montanuniversität Leoben".

Datum und Unterschrift

Klassisch-österreichische Zutaten für den Lebenslauf wie Religionsbekenntnis, Name und Beruf der Eltern oder Details zum Familienstand wirken schnell altmodisch und fehlen im EU-Format. Dafür endet der tabellarische EU-Lebenslauf - für Österreicher ungewohnt - mit Datum und Unterschrift.

(Benedikt Mandl / Bild: Photo Disc)