Telefoninterview: Fahrkarte zum Vorstellungsgespräch

Telefoninterview: Fahrkarte zum Vorstellungsgespräch

Telefoninterview - Fahrkarte zum Vorstellungsgespräch

Ein Telefoninterview ist der erste Schritt zum Job. Aber Vorsicht: Wer zu leichtfertig ist, vergibt ein große Chance. Worauf Sie achten sollten.


Von Michael Vogel

Ausführliche Telefonate mit Bewerbern gelten in Personalabteilungen als geeignetes Mittel, um Kandidaten für ein persönliches Vorstellungsgespräch auszuwählen. Besonders häufig kommt dies bei Personalabteilungen vor, die einen strukturierten Bewerbungsprozess haben – also eher bei großen Unternehmen und Konzernen.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Bewerber sollten ein solches Telefonat wie ein klassisches Vorstellungsgespräch begreifen Inhaltlich geht es im Telefoninterview also um den gesamten Fragenkanon klassischer Vorstellungsgespräche: um Stärken und Schwächen, um bisherige Tätigkeiten und Kompetenzen, um den Grund für die Bewerbung und um den möglichen Eintrittstermin – bis hin zur Gehaltsvorstellung.

Kennen Sie Ihr Profil

Allerdings spielen fachliche Fragen bei Telefoninterviews selten eine entscheidende Rolle, dagegen werden sie sehr oft genutzt, um beispielsweise Sprachkenntnisse zu  überprüfen, indem der Interviewer spontan in eine Fremdsprache wechselt. Ganz wichtig ist es natürlich auch, sich selbst – sein Profil – kurz und prägnant darstellen zu können.

"Gehen Sie davon aus, dass die Rollenverteilung stärker ausgeprägt ist, als in einem Vorstellungsgespräch, bei dem Sie Ihrem Gesprächspartner gegenübersitzen", sagt Karriereberaterin Helga Krausser-Raether. Soll heißen: der Interviewer stellt viele Fragen, der Bewerber gibt viele Antworten. Der Grund hierfür sind standardisierte Verfahren der Unternehmen für die Bewerberauswahl, die am Telefon noch viel stärker greifen.

Wie man spontane Anrufe abwendet

Es ist nicht unüblich, dass der Interviewer die Antworten nicht mitschreibt, sondern auf einer Skala bewertet. Wobei das auch in einem klassischen Vorstellungsgespräch passieren kann. Auf jeden Fall hat man am Telefon weniger Zeit: im Schnitt 30 Minuten. Für gewöhnlich nennt der Anrufer zu Beginn die ungefähre Dauer des Gesprächs.

Normalerweise werden Termine für Telefoninterviews schriftlich angekündigt, trotzdem kann es vorkommen, dass man quasi überfallartig angerufen wird. Das ist sicherlich die Ausnahme, und natürlich darf man - wenn es gerade nicht passt - freundlich um Verschiebung bitten.

Nähe und Sympathie schaffen


Einen Anruf zu einem unpassenden Zeitpunkt kann man auch dadurch verhindern, dass man in der Bewerbung nur seine Festnetz- und keine Handynummer angibt. Es ist auch kein Problem, wenn man das Telefonat morgens oder abends führen möchte, da man tagsüber arbeitet.

Die größte Schwierigkeit verursacht vielen Bewerben die Tatsache, dass der Blickkontakt am Telefon fehlt. Um so etwas wie Nähe zu schaffen, ist es hilfreich, den Gesprächspartner mit Namen anzureden und ab und zu dabei zu lächeln. Zwar wird das nicht gesehen, aber es wirkt sich positiv auf die Stimme aus. Und die Stimme ist am Telefon eben der einzige Kanal, über den man den Gesprächspartner auf der emotionalen Ebene erreichen kann. Wichtig ist daher auch, dass das Telefonat nicht durch Hintergrundgeräusche beeinträchtigt wird.

Informationen bereitlegen

"Schaffen Sie sich ein störungsfreies Umfeld", rät Krausser-Raether, "keine Kinder, kein Handyklingeln." Und auch aus dem Auto oder vom Flughafen aus sollte das Gespräch möglichst nicht geführt werden, weil man selbst und der Interviewer dann abgelenkt sind. Lässt sich eine Geräuschkulisse beim besten Willen nicht vermeiden, sollte man das einfach kurz erklären.

Des Weiteren sollte man seine Bewerbungsunterlagen, die Stellenanzeige, Informationen über das Unternehmen und etwas zum Schreiben vor sich liegen haben. "Und es hilft auch, wenn man sein Kurzprofil vorher schriftlich formuliert hat", sagt Krausser-Raether. Natürlich geht es dabei um Stichworte, nicht dass man es abliest. Die Telefonsituation richtiggehend zu trainieren, davon rät die Karriereberaterin eher ab, weil es leicht gekünstelt wirkt, "aber Sie sollten sich gut vorbereitet haben".

Die Chance begreifen

Auf jeden Fall ist ein Telefoninterview eine echte Chance. "Wenn Sie dazu eingeladen werden, gehören Sie zum engeren Kandidatenkreis", sagt Helga Krausser-Raether. "Sehr viel mehr als zehn Bewerber wird der Arbeitgeber schon im Hinblick auf den Aufwand, den er selbst dafür treiben muss, nicht anrufen."

(Bild: Martin Schmid, Fotolia.com)