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Stimmtraining für die Karriere

Stimmtraining für die Karriere

Stimmtraining für die Karriere


Stimmtraining für die Karriere

Bei der Bewerbung, Präsentationen oder im Berufalltag ist eine feste angenehme Stimme ein großer Vorteil. Wir sagen, was professionelles Sprechtraining bringt.





Von Benedikt Mandl

Margit S. ist eine erfolgreiche junge Frau, hatte aber ein Problem: Sie wurde leicht überhört, ihre Stimme war nicht sehr kräftig. Die Wienerin arbeitet seit mehr als fünf Jahren als Projektleiterin einer Internetagentur. In dieser Rolle tritt Sie als Vermittlerin zwischen Kunden und den unterschiedlichen Abteilungen ihres Unternehmens auf. Kommunikation gehörte für Margit S. zum täglichen Geschäft, ihr Piepsstimmchen kam ihr da nicht sehr gelegen.

Eigenartige Sprechübungen

Beim Verkaufsgespräch am Telefon, bei Präsentationen unter Stress oder bei großer Nervosität im Bewerbungsgespräch: In solchen Situationen sollte man eine kräftige, angenehme Stimme haben. Für Margit S., Absolventin eines Studiums in Marketing und erfahrenen Verkaufsprofi, war Lampenfieber bei Vorträgen nie ein Problem: "Ich gehe gerne auf Menschen zu, spreche auch oft vor größeren Gruppen." Dass ihre Stimme da nicht mitspielte fiel irgendwann auch ihrem Vorgesetzten auf. Er empfahl Margit S., Stimmbildungsunterricht bei einem Sänger zu nehmen.

"Über sechs Monate lang ging ich jede zweite Woche zu Einzeltrainings", erzählt sie. "Der Effekt war verblüffend: Während ich anfangs von den eigenartigen Sprechübungen noch irritiert war, bemerkte ich bald, wie stark sich meine Aussprache verbesserte. Und zwar vor allem daran, wie viel stärker ich plötzlich meine Zuhörer bei Präsentationen fesseln konnte."

Morgendliches Ritual

So lernte Margit S. beispielsweise, dass sie in einer Tonlage sprach, die sich für sie zwar als angenehm anfühlte – die aber eigentlich ungeeignet für ihre Stimme war. Heute ist das intensive Einzeltraining zwar abgeschlossen, Margit S. übt aber noch täglich: Zehn Minuten lang diverse Zungenbrecher und Artikulationsübungen – als Ritual jeden Morgen unter der Dusche.

"Um eine dauerhafte Veränderung seiner stimmlichen Wirkung zu erreichen, sind zehn Minuten Üben pro Tag unbedingt notwendig", weiß Roger Wüthrich. Der Schweizer ist als Stimmtrainer in München, Berlin und in der Schweiz tätig. Atmungs- und Entspannungstechniken, Aussprache, Resonanz, Sprechdynamik – guter Stimmbildungsunterricht umfasst eine breite Palette an Zielen.

Nationale Unterschiede

Bei seinen Klienten erkennt Wüthrich nationale Unterschiede: "Schweizer wollen durch ein Stimmtraining eher empathischer werden, um vom Angesprochenen besser verstanden zu werden", meint der Trainer. Deutsche seien dagegen oft zielorientierter: "Sie wollen beim Angesprochenen einen konkreten Effekt erzielen." Seine Coachings reichen von Kurz-Workshops über Seminare bis hin zur monatelangen, berufsbegleitenden Betreuung im Einzelcoaching.

"Führungskräfte aus dem mittleren Management perfektionieren gerne ihre Stimme vor Beförderungen", erzählt Wüthrich. Bei einem Punkt winkt er allerdings ab: Einen leichten regionalen Dialekt solle man sich nicht abtrainieren. "In der Schweiz werden Deutsche mit regionalem Akzent sogar lieber gehört, als solche, die ‚steriles’ Hochdeutsch sprechen."

Dialekt nicht abtrainieren

Innerhalb Deutschlands sei Hochdeutsch im Beruf zwar üblich, aber eine regionale Lautfärbung durchaus kein Nachteil. Vereinzelt betreut Wüthrich allerdings Klienten, deren Dialekt schwer verständlich ist oder die unter ihrem Akzent leiden.

"Wenn es darum geht, einen ausgeprägten Dialekt abzuschwächen, kann ein Stimmtraining durchaus sinnvoll sein. Ich habe dazu beispielsweise schon einen Hessen betreut, der in Bayern arbeitet und es leid war, in Münschen in die Kirsche zu gehen. Auch der sächsische Dialekt wird außerhalb Sachsens oft wenig geschätzt, ein Stimmtraining kann hier besonders für Führungskräfte hilfreich sein."

Was ein Stimmtraining kostet

Der Aufwand für ein professionelles Stimmtraining variiert sehr stark je nach "Sprecher". Wüthrich bietet beispielsweise Module von fünf mal 90 Minuten an. Tagesseminare kosten bei ihm 290 Euro, für einen Langzeiteffekt wird das in den meisten Fällen aber nicht ausreichen.

Für die Wahl eines Stimmtrainers betont der Schweizer, dass man eine Probestunde nehmen solle: "Viele der Sprechübungen können albern wirken und man arbeitet konzentriert und sehr intensiv miteinander. Da muss die Chemie zwischen Trainer und Sprecher unbedingt stimmen."

Den richtigen Trainer finden

Außerdem sei "Stimmtrainer" oder "Coach" kein geschützter Begriff, die Qualität und das Ausbildungsniveau zwischen Trainern gehe weit auseinander. Neben der Probestunde helfe auch in Blick auf den Lebenslauf des Trainers und seine Referenzen, um sich ein Bild von der Kompetenz des Coaches zu machen.

(Bild: Bellemedia)


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