Tipps / Einstellungsverfahren / Bewerberauswahl / Reden schafft Akzeptanz

Reden schafft Akzeptanz

Reden schafft Akzeptanz

Mitarbeiter sind eine der wichtigste Ressourcen eines Unternehmens. Doch wenn Entscheidungen anstehen, die die Beschäftigten direkt betreffen, herrscht bei vielen Entscheidern Funkstille.  Eine Studie zeigt, dass zu viel Schweigen dem Unternehmen schadet. 

Äußern sich Vorstandsvorsitzende und Personalverantwortliche öffentlich zu Themen, die ihre Mitarbeiter betreffen, sorgen sie für ein positiveres Medienecho. Egal, ob es um Fusionen, Streiks oder Gehaltsverhandlungen geht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Fachhochschule Mainz.

Kommunikation schafft Akzeptanz

"Menschen wollen in turbulenten Zeiten hören, warum bestimmte Entscheidungen fallen und wie auf ihre Interessen Rücksicht genommen wird", sagt Professor Lothar Rolke. Rolke lehrt in Mainz Betriebswirtschaftslehre und Unternehmenskommunikation und leitete die Studie. "Wer als Personalverantwortlicher diesen Mut aufbringt, wird mit mehr öffentlichem Verständnis rechnen können." Das gilt in den Augen des Mainzer Professors für Mittelständler und DAX-Unternehmen gleichermaßen.

Rolke und sein Team werteten im vergangenen Jahr die Berichterstattung über die Dax-30-Unternehmen systematisch aus – rund 70.000 Artikel aus 16 Printmedien. Sie konnten nachweisen, dass der Tenor der Berichterstattung besser ausfällt, wenn Personalchef oder Vorstandsvorsitzender auftreten und persönliche Verantwortung zeigen. "Weil es glaubwürdiger wirkt", vermutet Rolke. Bei Personalthemen schnitten laut der Studie von allen Dax-30-Unternehmen Lufthansa, Deutsche Bank und Postbank am besten ab. Am schlechtesten sind Siemens, der Deutschen Telekom und der Hypo Real Estate die Kommunikation solcher Themen gelungen.

Bedürfnis nach Transparenz und Berechenbarkeit

Personalthemen gelten als Interna – "was ja durchaus richtig ist", sagt Rolke. "Aber heutzutage ist interne Kommunikation auch immer stärker externe Kommunikation – und umgekehrt." Und nur das eine zu tun und das andere zu unterlassen, ist gefährlich. "Bei jedem zweiten Unternehmen ist die interne Kommunikation schlechter als die externe", erklärt der Wissenschaftler. Das wirke sich langfristig aber auch auf die externe Kommunikation negativ aus. "Denn wie kann ich meine Kunden überzeugen, wenn die Mitarbeiter, die mit Ihnen in Kontakt treten, nicht von ihrem Arbeitgeber überzeugt sind?"

Die Menschen wollten das Gefühl haben, dass es Transparenz und Berechenbarkeit gibt, dass sie nicht hinters Licht geführt würden.  Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Und dass Beschäftigte bei ihren Führungskräften in dieser Hinsicht einen Mangel feststellen, haben erst wieder im vergangenen Jahr zwei Studien gezeigt. So weist eine Untersuchung des Personalberatungsunternehmen Krauthammer zum Beispiel nach, dass viele Arbeitnehmer sich wünschen, den Menschen und die sozialen Implikationen wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken – statt den Fokus nur auf Anteilseigner sowie finanziellen und materiellen Erfolg zu legen.

Erfolgsfaktor "Weiche Themen"

"Der unerbittliche Druck, kontinuierlich quantitative Resultate zu liefern, laugt aus", erklärt Daniel Eppling, geschäftsführender Gesellschafter von Krauthammer, dieses Bedürfnis. Und das Beratungsunternehmen Hewitt kam nach einer Befragung von 120.000 Mitarbeitern und 3000 Führungskräften in zwölf Ländern zu dem Ergebnis, dass "Anerkennung von Leistung im Job Mangelware ist", wie es Nelson Taapken, Leiter HR-Beratung bei Hewitt in Deutschland formuliert. Solche weichen Themen des Personalmanagements, da sind sich Experten einig, werden in der Zukunft aber immer wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens.

Weiche Themen erwiesen sich auch bei der Mainzer Studie als medial deutlich unterrepräsentiert. Nur etwa 5600 Artikel beschäftigten sich mit Entwicklungen, die Mitarbeiter unmittelbar betrafen. Zu 70 Prozent handelte es sich dabei jedoch um harte Themen wie Fusionen, Streiks, Gehälter, Entlassungen oder Restrukturierungen. Weiche Nachrichten wie Gesundheit, Karriere oder Motivation machten den deutlich kleineren Teil aus, "obwohl Millionen Menschen von ihnen betroffen sind", so Rolke. In seinen Augen sind die Personalverantwortlichen gefordert, solche Themen stärker auf die öffentliche Tagesordnung zu bringen und dadurch für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.

Öffentliche Auftritte stärken die Abteilung

"Personalmanagement ist zunehmend eine nach außen gerichtete Aufgabe", stellt der Mainzer Professor fest. Daher sei mehr Mut von den Personalverantwortlichen gefordert, schwierige Entscheidungen des Unternehmens zu erklären und damit öffentlich Gesicht zu zeigen. In den von der Studie erfassten Artikeln deckten nämlich die Vorstandsvorsitzenden 90 Prozent der Personalthemen medial ab. "Vorausgesetzt der Personalverantwortliche ist bereit, diese Aufgabe professionell zu übernehmen", so Rolke, "wirkt das nicht nur von außen positiv auf das Unternehmen zurück, sondern stärkt auch intern die Stellung der Personalabteilung."

(Michael Vogel, 2009 / Bild: Stefan Redel, Fotolia.com)