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Vorstellungsgespräch: Gesprächsführung

Vorstellungsgespräch: Gesprächsführung

Im Vorstellungsgespräch sollte ein Personaler möglichst strukturiert vorgehen, ohne dass es standardisiert wirkt. Da ist Selbstdisziplin gefordert.


Ein Vorstellungsgespräch ist dazu da, dass sich ein Bewerber darstellen kann. Hat er keine Chance, sich ausreichend einzubringen, wird der Arbeitgeber hinterher nur wenig erfahren haben. 30 zu70 lautet daher die Faustregel für die Redeanteile von Personaler und Bewerber.

Zuhören statt reden

"Vor allem wenn Geschäftsführer mit im Vorstellungsgespräch sitzen, ist die Gefahr groß, dass sie zu viel erzählen, weil sie viel über ihr Unternehmen zu sagen haben", stellt Hans-Georg Willmann, Diplom-Psychologe und Inhaber der Personalberatung JobID in Freiburg, immer wieder fest. Natürlich gehört es dazu, dass dem Bewerber im Verlauf des Gesprächs auch das Unternehmen und seine Kultur näher gebracht werden.

Willmann empfiehlt, nach einer kurzen Aufwärmphase und einer persönlichen Vorstellung zunächst den Bewerber reden zu lassen – eingeleitet durch eine offene Frage zu seiner Person. "Dann muss man darauf achten, dass sich der Bewerber nicht zu sehr in Details verliert, denn als Personaler hat man ja einen Fragenkatalog abzuarbeiten", so der Psychologe. Die Reihenfolge der Fragen kann und sollte dabei natürlich variieren, an den Gesprächsverlauf angepasst sein.

Beobachten, Bewerten, Beurteilen

Um den Überblick zu bewahren, kann eine Liste hilfreich sein, in die der Personaler jeweils die Antwort des Bewerbers und eine Bewertung des Gesagten einträgt. "So gelingt es auch leichter, zwischen Beobachten, Bewerten und Beurteilen zu trennen", sagt Willmann.

Denn die eigentliche Beurteilung des Bewerbers gehöre nicht ins Vorstellungsgespräch, sondern sei das Thema eines späteren Gesprächs mit dem Leiter der Abteilung, in der die Stelle zu besetzen ist.

Nicht unter Druck setzen 

Einen Bewerber im Vorstellungsgespräch gezielt unter Druck zu setzen, ist in Willmanns Augen kontraproduktiv. "In Stresssituationen nutzt unser Gehirn nur noch die Stammhirnfunktionen und reagiert mit Angriff, Flucht oder Todstellen", so der Psychologe. "Das mag sinnvoll sein, wenn es um einen Job geht, in dem diese Fähigkeiten gefordert sind, aber in der Mehrzahl der Fälle erreicht man damit nichts: Sie erleben nur eine völlig reduzierte Persönlichkeit."

(Michael Vogel / Bild: Renee Jansoa, Fotolia.com)