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Sparen statt Kündigen

Sparen statt Kündigen

Kündigungen, Konkurse, Kurzarbeit: Gravierende Sparmaßnahmen sorgen für Schlagzeilen, doch gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) wird derzeit fast unbemerkt im Stillen gespart.

Dabei müssen nicht immer gleich Stellen abgebaut werden: In der Phase der Hochkonjunktur, die Europa bis letztes Jahr erlebte, buhlten viele Unternehmen mit Bonussystemen und teuren Zuwendungen um qualifizierte Mitarbeiter. Heute liegt hier mitunter das größte Sparpotenzial, Konflikte mit Tarif- oder Kollektivvertrag bleiben aus: Firmenhandy, Wochenendseminare in teuren Hotels oder der gratis Kaffee samt Obstschüssel zur freien Bedienung müssen heute nicht mehr sein. Der "ordinäre Arbeitsplatz" allein ist wieder attraktiv geworden. Budgets kürzen Firmen aber auch anderswo.

Sparpotenziale nutzen


"Viele Unternehmen durchforsten heute ihre Ausgaben auf der Suche nach Sparpotenzial", bestätigt auch Marc Storck den Trend. Storck ist Chief Information Officer von voipGate, einem Telekommunikationsunternehmen, das in Luxemburg ansässig ist, aber in ganz Mittel- und Westeuropa operiert. "Wir bieten Voice over IP Telekommunikationslösungen, die für Firmen und Privatpersonen zugeschnitten werden, die Möglichkeiten suchen, mit dem Internet bei der Telefonrechnung zu sparen. Ohne dabei die Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen, die bei manchen VoiP Anbietern auftreten."

Die Wirtschaftskrise ist für voipGate damit zu einer Phase starken Wachstums geworden: "Derzeit finden nicht wir unsere Kunden, vielmehr suchen die Kunden uns auf", freut sich Storck. Der Drang zur Einsparung habe alle Branchen und Firmen unterschiedlichster Größe befallen: Unter den Neukunden fänden sich kleine Familienbetriebe ebenso wie international agierende Großunternehmen.

Sparen: Ein europaweiter Trend


Auch geografisch lassen sich die Kunden kaum in bestimmte Regionen zuordnen: "Anfragen erreichen uns aus Deutschland und Österreich ebenso wie aus Frankreich und dem Benelux Raum". Sparen ist eben ein europaweiter Trend geworden.

Telekommunikation beschränkt sich indes nicht nur auf klassisches Telefonieren und Faxen. Auch das Internet erlebt derzeit einen Boom, der durch eine Einsparungswelle ausgelöst wurde. Paradoxerweise genau dort, wo angeblich in den letzten Monaten viel Kapital abgezogen wurde: In Werbung und Marketing.

Budgets wandern in den Online-Bereich


"Wir merken ganz stark, dass Budgets in den Online-Bereich wandern", erklärt Roland Vidmar, Geschäftsführer der Internetagentur echonet aus Wien. Er sieht zwei wichtige Gründe für den aktuellen Boom in seiner Branche: "Einerseits, weil einfach messbare Ergebnisse gefragt sind und die Unternehmen dazu übergehen, sich nach mittelfristigen Investitionen umzusehen. Anstatt kurzfristig in eine Medienlandschaft zu investieren, die nicht mehr messbar etwas bewegen kann."

Andererseits verlege man sich zunehmend auch online auf real sichtbare und glaubwürdige Investitionen: "Vorsicht lassen Firmen walten, wenn ihnen Berater erzählen, wo und auf welchen Web 2.0 – Plattformen die Kunden zu finden seien. Konservative Investments scheinen jetzt im Web gefragt zu sein."

Investitionen in die eigene Website


Und zu solchen zählen neben überschaubaren Werbekampagnen mittels großer Werbenetzwerke wie Google AdWords eben auch Investitionen in die eigene Website – oft zu Lasten von Werbebudgets, die andernfalls in Print- und Rundfunkkampagnen geflossen wären.

Sparen durch Umschichtungen scheint der Trend zu sein, von dem die gesamte Internetbranche derzeit profitiert. Diese Tendenz ist auch zum Vorteil von IT Dienstleistern, die sich auf Tätigkeiten spezialisieren, die sich leicht auslagern lassen: Die technische Betreuung von Websites, Computern und Kommunikationsinfrastruktur kann sehr teuer werden, wenn dafür eine eigene Abteilung aufgebaut werden müsste.

Externe Betreuung bringt Einsparungen


Vor allem für KMUs kann eine externe Betreuung große Einsparungen bringen. "Die meisten Werbe- und Webdesigner, die ich kenne, ersticken nach eigenen Angaben geradezu in Arbeit", erklärt Horst Herzog, Diplomfachwirt für Medieninformatik und Medienkommunikation, der im Großraum Salzburg und in Bayern operiert. Als klassischer Freelancer richten sich seine Angebote vor allem an KMUs, die gestiegene Ansprüche an Internet und IT nicht oder nicht mehr intern lösen können, andererseits aber auch nur beschränkte finanzielle Ressourcen zur Verfügung haben.

"Bedingt durch die Wirtschaftskrise – beziehungsweise wohl eher die Panik davor – werden immer mehr Tätigkeiten im IT Bereich an Agenturen oder freiberufliche Webdesigner ausgelagert", erklärt Herzog. Was den Firmen beim Sparen hilft, freut auch ihn: "Gerade kleine und mittlere Unternehmen versuchen dadurch erfolgreich, Personalkosten zu sparen. Für unser Geschäft ist das natürlich toll, und langfristig geht der Trend ohnehin generell zur Auslagerung."

Vorsichtig planen


Dieser Trend könnte allerdings auch regional auf Österreich und Süddeutschland konzentriert sein und anderswo weniger stark oder gar nicht auftreten. Birgit Kopcic, Inhaberin von phaseGrün, einer Online Dienstleistungsagentur aus dem Saarland sieht etwa weder Boom noch Krise: "Die Auswirkungen sind weder positiv noch negativ. Wir verzeichnen ein durchgängiges Auftragsvolumen mit steigender Tendenz."

Ihre Agentur bietet ebenfalls Dienste an, die zu den "klassisch auslagerbaren" Bereichen zählen würden: Online Werbung, Webgestaltung, Programmierung und Marketing. Kopcic sieht noch keine großen Umwälzungen, erkennt aber ein Potential für generelle Einsparungen in ihrer Branche: "Zur Zeit merken wir noch nicht direkt, dass unsere Kunden sparen müssen. Bei manchen von ihnen ist aber eine gewisse Vorsicht bei der Planung erkennbar."

(Benedikt Mandl, August 2009 / Bild: Robert Kneschke,  Fotolia.com)