Tipps / Einstellungsverfahren / Personalmarketing / Die perfekte Stellenanzeige (2)

Die perfekte Stellenanzeige (2)

Die perfekte Stellenanzeige (2)

Bei der Gestaltung einer Stellenanzeige kommt es neben dem Inhalt auch auf die Optik an. Fallbeispiele aus der Praxis mit Beurteilung. Nachfolgend zwei Musteranzeigen mit ähnlichem Inhalt, aber unterschiedlichem Layout.

 

 

Musteranzeige 1
(Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Darstellung zu erhalten)

 

 

 

 

Musteranzeige 2
(Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Darstellung zu erhalten)

 

 

 

 

So wirken die Anzeigen auf potenzielle Bewerber:

 

Inhaltliche Beurteilung

Arbeitgeber
Der Arbeitgeber wird in beiden Anzeigen namentlich genannt mit Angabe des Firmenstandortes, was eine räumliche Orientierung für potenzielle Bewerber ermöglicht. Musteranzeige 1 macht jedoch keine näheren Angaben darüber, welche Produkte zu dem “herausragenden Produktimage” geführt haben. Nur über den Firmennamen lässt sich darauf schließen, dass es sich um Elektronik-Produkte handeln muss. In Musteranzeige 2 ist dies mit dem Verweis auf die Marktführerschaft auf dem Gebiet der elektrischen Interfacetechnik besser gelöst.
In Musteranzeige 1 wird somit eine wichtige Chance verspielt, Aufmerksamkeit und Interesse beim Leser zu wecken. Ganz am Ende der Anzeige wird zwar durch den Hinweis auf die Homepage die Möglichkeit geboten, sich näher über das Unternehmen zu informieren.
Dieser Aufforderung wird aber nur jemand folgen, der bereits starkes Interesse entwickelt hat. Ganz katastrophal ist, insbesondere bei dem hohen Qualitätsanspruch, den das Unternehmen in der Selbstdarstellung betont, dass der Firmenname in Musteranzeige 1 in der Homepage-Angabe falsch geschrieben ist. Damit wird der interessierte Leser im Internet nicht auf Anhieb fündig und wird keine weiteren Aktivitäten mehr in Richtung Bewerbung ergreifen. Mehr Sorgfalt täte hier gut.

Position

Die Position wird in beiden Anzeigen in der Überschrift hervorgehoben und im folgenden Abschnitt näher erläutert. Durch die Zweitüberschrift tritt der Schwerpunkt USA jeweils sehr deutlich in den Vordergrund, was einer starken Betonung entspricht. Im nächsten Abschnitt kommt in beiden Mustern zudem die Zusatzinformation, dass eine Alleinkraft gesucht wird.
Personen, die bereits über Führungserfahrung verfügen, werden in der Regel nicht weiterlesen, da auch alle abwicklungstechnischen Tätigkeiten selbst zu erledigen sind und keine weiteren Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Eine erste Vorselektion der Bewerber erfolgt somit bei beiden Anzeigen.
Bietet die Stelle weitere Perspektiven? Darüber erhält der Leser in beiden Beispielen keine Auskunft.
Anforderungen
Die Anforderungen werden in beiden Anzeigen bereits in der Einstiegszeile als kundenorientiert und flexibel beschrieben. Weitere Voraussetzungen für die Stelle werden jeweils detailliert dargestellt.
Die Formulierung “die Arbeitszeit den Bedürfnissen unserer Kunden in den USA anzupassen”, ist in Musteranzeige 1 jedoch etwas unglücklich formuliert, da hier durchaus der Eindruck entstehen kann, dass es sich bei der Zeitverschiebung zu den USA von sechs bis neun Stunden um reine Nachtarbeit handeln könnte.
Hier ist abzuwägen, ob nicht erst im Vorstellungsgespräch das Thema näher erläutert werden sollte, um Kandidaten nicht unnötig abzuschrecken. Überdies macht Musteranzeige 1 keine Angaben, ab wann die Position zu besetzen ist.
Leistungen
Über die Rahmenbedingungen machen beide Anzeigen keine Aussagen. Der Hinweis auf eine “leistungsgerechte Bezahlung” oder ein “interessantes Gesamtvergütungspaket” würde hier mehr Anreize schaffen.
Kontaktaufnahme
Positiv ist in beiden Anzeigen der Hinweis auf eine erste telefonische Kontaktaufnahme. Diese bietet dem Kandidaten die Möglichkeit, offene Punkte zu klären. Gleichzeitig erhalten Sie als Arbeitgeber die Chance, eine Vorselektion der Bewerber vornehmen zu können. Empfehlenswert wäre es, wenn eine Funktionsbezeichnung des Ansprechpartners angegeben wäre.

Beurteilung des Layouts

Vorselektion
  Beide Anzeigen stellen den Aufgabenbereich der zu besetzenden Stelle optisch in den Mittelpunkt. Durch den Begriff “Back-Office Vertrieb” fühlen sich nur Personen angesprochen, die mit diesem Begriff etwas anfangen können, was aus Sicht des Unternehmens sicherlich gewünscht ist. Immerhin setzt die Position mehrjährige einschlägige Berufserfahrung voraus.
Stimmigkeit
Insgesamt wirkt Musteranzeige 1 im Gegensatz zu Musteranzeige 2 nicht harmonisch. Die einzelnen Textabschnitte sind nicht bündig. Ein Blocksatz würde für ein einheitlicheres Erscheinungsbild sorgen. Die Einbindung des Firmenlogos ließe die Anzeige professioneller erscheinen.
Die große Anzahl an Textzeilen unterhalb der Überschrift schreckt in Musteranzeige 1 zudem eher vom Lesen ab. Hier kann es hilfreich sein, die Anforderungen wie in Musteranzeige 2 mit Hilfe von Aufzählungspunkten aufzuführen. Fazit: Bei Musteranzeige 1 wird deutlich, dass das Layout nicht von einem Profi stammt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tipp!
Stellen Sie auf jeden Fall sicher, dass sich die Vorschriften der CI (Corporate Identity) Ihres Unternehmens in der Gestaltung der Anzeige wieder finden. Agieren Sie hier nicht unkoordiniert, sondern stimmen Sie die Anzeige firmenintern ab. Sie können sich sonst viel Ärger einhandeln, denn bei diesem Thema möchten alle immer gerne mitreden oder zumindest gefragt werden.

 

 

 

 

>>>Lesen Sie dazu auch Teil eins: Die perfekte Stellenanzeige

(Doris Brenner, 2010 / Bild: Pixel, Fotolia.com)

 

 

 



Doris Brenner
ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Sie verfügt über Erfahrung in der Industrie sowohl in Führungspositionen als auch im strategischen und operativen Personalwesen. Ihre Veröffentlichungen sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.
www.karriereabc.de/


Monster-Buchtipp:

 

Punktlandung Mitarbeitersuche:
Zielsicher ansprechen, auswählen und ansprechen.
Luchterhand, 39 Euro.