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Employer Branding im Social Web

Employer Branding im Social Web


Wie bringe ich meine Arbeitgebermarke ins Netz? Dieser Frage ging Web 2.0-Experte Lutz Altmann beim DGFP-Kongress in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen nach. Sein Vortrag war Teil des Social Media HR Forums, zu dem der Geschäftsführer von Humancaps Media die bekanntesten Vertreter aus der Social Recruiting-Szene aufs Podium geholt hatte.

 

 

"Wild" und "unerhört" – diese Schlagworte müssen sich Firmen auf die Fahne schreiben, die eine funktionierende Arbeitgebermarke im Web 2.0 etablieren möchten. Mit diesen Worten eröffnete Altmann seinen Impulsvortrag beim DGFP-Kongress. Geprägt wurde das Begriffspaar ursprünglich  von John Sullivan, Professor der San Francisco State University. "Wer gewinnen will, muss sich unterscheiden", betonte der einstmals. Ein Credo, das sich auch Lutz Altmann längst zu Eigen gemacht hat.

Gegen den Strom schwimmen

Wild und unerhört – das heiße, etwas anders zu machen als andere. Nicht von der Flut der Karriere- und Fanpages in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Youtube und Co. mitgerissen zu werden, sondern den Mut zu haben, gegen den Strom zu schwimmen. So wie der Modekonzern Otto.

Zur Erinnerung: Große Aufmerksamkeit verschaffte sich das Versandhaus im vergangenen Jahr mit dem Kurzfilm "So schnell wird man Chef", in das jeder Zuschauer sein eigenes Bild hochladen konnte und dann selbst im Video auftauchte. Ganz nebenbei informierte der Kurzfilm auch noch darüber, welche Karrieremöglichkeiten der Versandhändler bietet. Der Überraschungseffekt war groß und das Unternehmen hatte erreicht, was es wollte: Otto war in aller Munde. Und dank Facebook und Co. verbreitete sich das Filmchen in rasanter Geschwindigkeit im ganzen Netz.
 
Neue Wege im Recruiting

"Insbesondere im War for Talents ist es wichtig, neue Wege in der Rekrutierung und im Personalmarketing zu beschreiten. Wir bewegen uns vom Arbeitgebermarkt weg, hin zum Bewerbermarkt", so Altman. "Wer sich hier als attraktiver Arbeitgeber einen Namen machen möchte, muss offensiv vorgehen." Klingt einfach, ist es auch, geht es nach Lutz Altmann. Jedenfalls, wenn Unternehmen bei ihren Auftritten im Web 2.0 das Social Media-Einmaleins berücksichtigen.

Faustregel Nummer eins: Nichts nach außen vertreten, was nicht intern gelebt wird. Altmann: "Employer Branding 2.0 lässt sich nicht trennen von den Entwicklungen im eigenen Unternehmen." Soll heißen: Wer im sozialen Netz vorgaukelt, ein junges, hippes Unternehmen zu sein und in Realität nicht halten kann, was er verspricht, erleidet eine Bauchlandung. Bewerber, die sich zunächst ein Bild vom potenziellen Wunscharbeitgeber via Web 2.0 gemacht haben und von einer innovativen Firma ausgehen, vor Ort aber eine verstaubte Organisation vorfinden, rücken von dem Wunsch, dort arbeiten zu wollen schnell ab.

Informationen aus dem Social Web


"Azubis und Hochschulabsolventen holen sich Informationen über Unternehmen häufig aus Foren. Daher ist es wichtig, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen und zum eigenen Markenbotschafter zu werden."

Ziel sei es, in direkten Kontakt mit Studenten, Schülern und potenziellen Azubis zu kommen und sie für die eigene Firma zu begeistern. Über eine statische Karrierewebsite sei das nicht möglich. "Das ist die Chance, die das Social Web bietet", so Altmann.

Zielgruppen ansprechen

Doch im Moment seien diese Zielgruppen dort vorwiegend am privaten Austausch interessiert. Die Möglichkeit, die eigene Karriere via Facebook und Co. ins Rollen zu bringen, sei vielen nicht vertraut. Noch nicht! Denn der entsprechende Lernprozess sei längst gestartet – auf Seite der Unternehmen und der so genannten Generation Y.

Daher sei es unternehmensseitig umso wichtiger, den eigenen Auftritt im Web 2.0 ernst zu nehmen, betont Altmann: Der Content muss stimmen und von Professionalität zeugen. Lieblos oder fehlerhaft zusammengeschusterte Karriere- oder Fanpages verzeiht die Community nicht mehr, seitdem sich Unternehmen via ausgefuchstem Social Networking einen Namen gemacht haben. "Die Zeit des Ausprobierens ist vorbei."

Social Recruiting: Das Gesamtpaket muss stimmen

Faustregel Nummer zwei: Wer Bewerber über Facebook und Co. auf sich aufmerksam gemacht hat, muss im nächsten Schritt auch mit einem adäquaten Bewerbermanagement punkten. "Wer innerhalb von zwei Wochen nichts gehört hat, denkt, seine Bewerbung sei verloren", warnt Altmann. "Das kann nicht nur für Enttäuschung, sondern auch für unangenehme Posts im Web 2.0 sorgen. Das Gesamtpaket muss stimmen!"

(Sonja Dietz, 2011 / Bild: R. Classen, Fotolia.com)