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Web 2.0: Die sechs größten Klischees

Web 2.0: Die sechs größten Klischees

Über Auftritte von Unternehmen im Web 2.0 halten sich viele Thesen viel zu hartnäckig. Das jedenfalls finden die Social Media-Experten Lutz Altmann und Gero Hesse. Mit den gängigsten Klischees räumten die beiden bei einem Impulsvortrag beim DGFP-Kongress in den Wiesbadener Rhein-Main Hallen auf. Die wichtigsten Aussagen im Überblick. 

 



These eins: "Social Media betrifft vorwiegend die junge Zielgruppe. Soll sich doch der Praktikant darum kümmern."
Eine Aussage, die Gero Hesse, Geschäftsführer der medienfabrik Güthersloh, regelrecht die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. "Die Landschaft des Personalmarketings hat sich verändert", sagt er. "Dem muss Rechnung getragen werden. Während Rekrutierung  vor zehn bis fünfzehn Jahren noch fast ausschließlich über die Printmedien stattfand, haben sich die Möglichkeiten durch das Internet enorm erweitert." 

Neben Karrierewebseiten und Karriereportalen rekrutierten Firmen inzwischen recht erfolgreich auch über das Web 2.0. "Solche Themen hat man ja früher auch nicht an Praktikanten ausgelagert – dazu ist dieser Bereich sei einfach viel zu wichtig."

These zwei: Social Media ist eine neue Technologie.
Dazu Lutz Altmann, Geschäftsführer von Humancaps Media: "Social Media ist nicht in erster Linie Technologie, sondern Kommunikation, die gelebt und verstanden werden muss. Die Frage ist, wie bringe ich mein Profil ins Web 2.0 und spreche die größtmögliche Zahl an Menschen an? Einfach die Karrierewebsite in Facebook zu kopieren, greift hier zu kurz."

These drei: Social Media ist nichts als ein bloßer Hype.
Stimmt nicht, sagt Gero Hesse. Portale wie Facebook seien kontinuierlich auf dem Weg nach oben. "Eine aktuelle Befragung unter Studenten ergab sogar, dass Facebook-Fansites inzwischen fast die gleiche Wertigkeit besitzen wie eine Karrierewebsite." Die Erstellung von Fanpages setze daher Professionalität voraus. Die Zeit des Ausprobierens sei vorbei: die Zielgruppe liest die Inhalte im Web 2.0 inzwischen mit einer gewissen Erwartungshaltung. "Wer hier als Unternehmen den Trend der Zeit nicht erkennt", so Hesse, "wird es schwer haben."

These vier: Social Media ist nur Spielerei. Dafür sollten Unternehmen ihre Zeit nicht verplempern. 
Barack Obama macht’s, Angela Merkel macht’s und die Medien sowieso:  Facebook und Co. sind längst in Politik und der Medienlandschaft angekommen, konstatiert Web 2.0-Veteran Lutz Altmann. Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport lese man inzwischen bei Facebook. Warum die Plattform nicht auch als Personalmarketing-Kanal nutzen? "Die Kommunikationskultur verändert sich. Insbesondere die ganz junge Generation wächst mit permanent verfügbarem Internet auf – entsprechend groß ist die Erwartungshaltung gegenüber Unternehmen in Zukunft."

These fünf: Employer Branding via Social Media ist nur etwas für Großunternehmen.
In der Tat, räumt Gero Hesse ein, hätten kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) im Gegensatz zu den großen Playern ein paar Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Social Media Auftritt zu nehmen. Doch warum nicht die scheinbaren Nachteile zum Vorteil machen?

"Tatsächlich verfügen KMUs im Gegensatz zu Großkonzernen höchstens über regionale Bekanntheit, eine schmalere Ressourcenausstattung  und oft keine so guten Karriereperspektiven. Meistens sind auch noch die Geschäftsmodelle so erklärungsbedürftig, dass sie sich nicht so einfach im Web 2.0 darstellen lassen", fasst Hesse zusammen.  Doch kleine Unternehmen böten auch viele Vorteile, die sich hervorragend in Facebook und Co. in den Vordergrund rücken ließen:

  • Eine hohe Integrität und Loyalität der Mitarbeiter
  • Keine dezentralisierten Strukturen
  • Eine stark ausgeprägte Unternehmenskultur
  • Eine hohe Innovationskraft

"In bestimmten Produktions-Bereichen sind KMUs oft die Hidden Champions – all das lohnt es, herauszustellen", so Hesse. "All diese Vorteile lassen sich per Blog oder Facebook-Auftritt prima herausarbeiten. Sie wollen Beispiele? Dann schauen Sie sich mal die Auftritte der Volksbank Bühl, der SNT Deutschland AG oder der Verkehrsbetriebe Zürich an."

These sechs: Social Media Auftritte benötigen kein ganzheitliches Konzept.
"Leider ist die Idee 'Ich baue meine Facebook-Seite auf und dann lege ich los' noch viel zu sehr verbreitet", moniert Lutz Altmann. "Aber ein solches Vorgehen ist nicht ratsam, weil unprofessionell und das verzeiht die Community inzwischen nicht mehr." Inzwischen habe sich eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber Unternehmensauftritten etabliert.

Wer heutzutage einen Blog aufbauen wolle, müsse daher zunächst folgende Fragen beantworten:

  • Welche Zielgruppe möchten wir ansprechen?
  • Wer berichtet?
  • Was wird berichtet?
  • Gibt es eine Social Media Policy?
  • Soll es sich um einen privaten oder Corporate Blog handeln?

Ähnlich sehe es beim Aufbau einer Community im Web 2.0 aus:

  • Wie erreiche ich meine Zielgruppe?
  • Wie spreche ich sie an?
  • Wie stelle ich mein Team dar?
  • Welche Gesichter aus dem Unternehmensumfeld zeige ich?

(Sonja Dietz, 2011 / Bild: Nmedia, Fotolia.com)