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Personalmarketing in der Schule

Personalmarketing in der Schule


Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Nachwuchsförderung, MINT, unternehmensimageImmer mehr Unternehmen engagieren sich an Schulen und bereits in Kindergärten, um Kinder für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Das fördert nicht nur die Talente des Nachwuchses, sondern kann auch eine Perspektive für den späteren Beruf eröffnen. Das Personalmarketing bei den Allerkleinsten zeigt durchaus Erfolge. Wie langfristig diese allerdings sind, bleibt abzuwarten.

 

Von Rainer Spies 

Gerne würde die Materna GmbH in Dortmund mehr weibliche Auszubildende in der Informatik einstellen. "Wir bekommen leider viel zu wenige Bewerbungen von Schülerinnen“, beklagt Kerstin Aigner, Personalreferentin und Ausbildungsleiterin bei Materna.

Projekt: Mädchen in IT-Berufen

Das seit zehn Jahren mit Realschulen durchgeführte Projekt "Mädchen in IT-Berufen“ ist dennoch ein Erfolg. Den Mädchen der neunten Klasse, die unterstützt von Materna-Auszubildenden Computer auseinander- und zusammenbauen, vernetzen und programmieren, mache das Projekt Spaß. Die Hoffnung, mehr von ihnen für eine IT-Ausbildung gewinnen zu können, gebe man nicht auf. "Leider fehlen in den Elternhäusern und Schulen die weiblichen Vorbilder“, sagt Aigner.

"Wir müssen ein Rollenverständnis verändern, wonach Jungen mit der Modelleisenbahn und Mädchen mit Barbiepuppen spielen“, bestätigt Nicolai Wiedmann. "Wir wollen die Lehrkräfte als Multiplikatoren gewinnen und bei den Schülern die Berufswahl wenigstens ein wenig beeinflussen“, sagt der Aus- und Weiterbildungsleiter bei der Groz-Beckert KG in Albstadt mit Blick auf den sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangel.

Fachkräftemangel: Ruhe vor dem Sturm

Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm. Doch bei der Generation von morgen sieht das schon wieder ganz anders aus. Umso wichtiger ist es, frühestmöglich anzusetzen und ein Interesse für den späteren Beruf zu wecken, ist Wiedmann überzeugt.  Beispielsweise in der Juniorakademie. Die bietet Mittelstufenschülern die Möglichkeit, zu fräsen, bohren, Schaltungen aufzubauen, zu löten und zu montieren.

Ein anderes Projekt setzt noch früher an. Mit der so genannten "Klasse(n)kiste“ lassen sich physikalische Themen bereits in der Grundschule vermitteln. Die vom Seminar für Didaktik des Sachunterrichts an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster entwickelten Experimentiersets kommen mit Unterstützung der Deutsche Telekom Stiftung an 1.600 Grundschulen zum Einsatz.

Begeisterung wecken

"Kinder und Jugendliche für MINT-Berufe zu begeistern, ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagt Martin Frick, Personalmarketingleiter bei der ZF Friedrichshafen AG. Bei dem Engagement des Automobilzulieferers in Schulen oder bereits in Kindergärten solle und könne daher auch kein "hartes Controlling“ im Sinne einer Erfolgsquote gefahren werden. Die ZF Lenksysteme GmbH (Schwäbisch-Gmünd), ein Gemeinschaftsunternehmen von ZF und Bosch, unterstützt unter anderem das Projekt "Technolino“.

Die Fünf- und Sechsjährigen Teilnehmer schlüpfen an mehreren Tagen in den Blaumann und bearbeiten zusammen mit Auszubildenden beispielsweise einen Alu-Würfel. "Kniffligere“ Technikprojekte werden in der "Wissenswerkstatt“ angeboten. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche aller Schulformen. "Die Wissenswerkstatt kann sich vor Anfragen der Schulen kaum retten“, sagt Frick.

Zurücklehnen wird bestraft

Unterstützt von erfahrenen Trainern bauen die Schüler Solar-Boote oder hantieren an komplexen Elektroschaltungen. ZF erhofft sich trotz allen gesellschaftlichen Engagements auch, den einen oder die andere für einen MINT-Beruf im Unternehmen begeistern zu können. "Noch bekommen wir genügend Auszubildende. Aber wir lehnen uns angesichts der demografischen Entwicklung und eines veränderten Studierverhaltens nicht zurück“, sagt Frick.

Professor Günter Ratschinski vom Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung an der Leibnitz Universität Hannover begrüßt das Engagement. "Wenn Kinder und Jugendliche zeigen können, was sie schon beherrschen, ist das sehr lernförderlich“, sagt Ratschinski. Seiner Ansicht nach äußern Kinder bereits im Alter von drei oder vier Jahren Berufswünsche.

"Man kann von außen durchaus Einfluss auf Berufswünsche nehmen. Aber die langfristigen Effekte sind kaum feststellbar“, sagt Ratschinski. Die vorberufliche Entwicklung sei ein Sozialisationsprozess mit vielen Variablen. "Berufswünsche sind ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse“, sagt Ratschinski. Es müsse "sehr breit“ angesetzt werden, wolle man speziell das Interesse von Mädchen für naturwissenschaftlich-technische Berufe wecken.

Frühkindliche Bildungslandschaft verbessern

Langfristig denkt die BASF SE in Ludwigshafen. Das Unternehmen fördert nicht nur mit Laboren das Interesse an Naturwissenschaften. BASF hat sich auch zum Ziel gesetzt, die frühkindliche Bildungslandschaft in der Region zu verbessern. "Uns geht es nicht um kurzfristige Effekte, sondern um eine langfristige Verbesserung der Entwicklungschancen von Kindern“, sagt Daniela Kalweit, verantwortlich für Bildungsprojekte bei BASF. Allen Kindern müssten die gleichen Bildungschancen eingeräumt und dadurch Potenziale erschlossen werden.

BASF hat 2005 im Rahmen ihrer "Offensive Bildung“ in Kindertagesstätten der Metropolregion Rhein-Neckar begonnen, Projekte wie "Vom Klein-Sein zum Einstein“ zu etablieren und Naturwissenschaft erfahrbar zu machen. Aber auch Sprachkompetenz wird gefördert. "Wir begleiten die Projekte wissenschaftlich“, sagt Kalweit.

Von Experten werde ermittelt, ob die angestoßenen Initiativen fester Bestandteil in den Einrichtungen geworden sind und die Kinder dazulernen. Das neueste Bildungsprojekt setzt beim Übergang in die Schule an. "Kindertagesstätten und Schulen erarbeiten gemeinsam, wie sie bei verschiedenen Themen, wie zum Beispiel Naturwissenschaft und Umwelt, noch besser kooperieren und was sie voneinander lernen können“, sagt Kalweit.

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