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Web 2.0: Das Geheimnis des Erfolgs

Web 2.0: Das Geheimnis des Erfolgs


Facebook, Twitter und Co. – inzwischen gehören Auftritte in Social Media-Plattformen für Firmen zum guten Ton. Doch woran liegt es, dass sich die einen kaum vor Fans und Follwern retten und andere jeden Neuzugang persönlich begrüßen können? Ein Praxibericht über Erfolgsstrategien im Web.20.

 

 

Mindestens zehn Stunden in der Woche geht Robindro Ullah einer speziellen Beschäftigung nach. Er twittert. Das ist eigentlich längst nichts Außergewöhnliches mehr, denn Millionen Menschen auf der Welt senden über diesen Internetdienst Kurznachrichten ab. Doch Ullah twittert dienstlich, strategisch durchdacht und immer die Zielgruppe im Blick.

Twitter – längst salonfähig

Ein Problem gab es aber früher: "Meine Zielgruppe twittert nicht", hat der Verantwortliche für Hochschulmarketing der Deutschen Bahn im vorigen Jahr noch festgestellt. Seine Adressaten seien Ingenieure, und dort sei Twitter noch nicht so verbreitet. Auf Bewerbermessen hatte er damals noch Nachfragen beantworten müssen, was denn dieses Gezwitscher im Netz soll.

Im Jahr 2010 dürfte Ullah kaum noch solche merkwürdigen Fragen gestellt bekommen. DB Karriere hat auf Twitter rund 3.800 Follower, und er zwitschert über alles, was das Unternehmen attraktiv für Bewerber machen könnte – welche Karrieremesse er gerade besucht, und dass die Bahn in diesem Jahr 175 Jahre alt geworden ist.

Rücklauf könnte besser sein

Ähnlich aktiv ist Ullah auch auf Facebook: "Alle Weihnachtsgeschenke gekauft, aber noch kein Praktikum/keine Abschlussarbeit/keinen Job? Dann zur heutigen bonding Messe in der Schrannenhalle in München vorbeikommen! Es geht um 09:30 Uhr los!"

Auch Dennis Blöcher twittert und schreibt auf Facebook. Seit einem Jahr hat der Personalreferent des Motorsägenherstellers Stihl seine Aktivitäten auf Social Media ausgeweitet. Und, wie es sich dabei gehört, tritt Blöcher wie Ullah unter seinem richtigen Namen auf. "Das gehört zum guten Ton", sagt er. Rund 1.900 "Freunde" hat die Stihl-Karriereseite, die Zielgruppe sei "unglaublich groß" betont Blöcher – der Rücklauf an guten Bewerbern könnte freilich noch etwas besser sein.

Das Gesamtpaket macht‘s

Deswegen heißt es bei Stihl: Social Media ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Personalmarketings geworden, ersetzt aber nicht das "Butter und Brot" von Blöchers Arbeit. Dazu zählen nicht nur die Besuche von Karrieremessen, zudem wird bei Stihl großen Wert auf gute Empfehlung von Studenten gelegt, die einmal beim schwäbischen Traditionsunternehmen ein Praktikum absolviert oder gejobbt haben. "Wenn so einer einen Kommilitonen versichert, dass er bei uns gut betreut wurde, dann wird ihm geglaubt", sagt Blöcher. Aber auf die Zukunft ist Stihl vorbereitet."Social Media wird immer mehr ein belastbarer Kanal", sagt Blöcher.

Doch welche Netzwerke sind die richtigen? Für den Stihl-Personaler sind es vor allem zwei: Facebook, gefolgt von Xing. Auch für die Otto Gruppe steht Facebook ganz oben auf der Liste der maßgeblichen Netzwerke. Das Hamburger Versandhaus hat hier im Dezember 2009 eine Karriereseite eingerichtet, im April kommuniziert das Unternehmen über den Twitterkanal @otto_jobs mit potenziellen Bewerbern. Damit ist Otto dem meisten Unternehmen im Einzelhandel weit voraus.

Große Resonanz

"Die große Resonanz auf unsere Aktivitäten im Bereich Social Media spornt uns an, auch weiterhin über diese Kanäle geeignete Bewerber für vakante Positionen des Konzerns zu interessieren", sagt Michael A. Picard, Direktor Otto Personal. "Derzeit besetzen wir rund 20 Prozent unserer Stellen mit Kandidaten, die über Facebook, Twitter & Co. auf uns aufmerksam geworden sind."

Wie Blöcher sagt auch Picard, dass ein Unternehmen via Social Web "Gesicht" zeige. "Das kommt an und bietet den Nutzern echten Mehrwert." Bei Facebook soll den Interessierten der Blick hinter die Kulissen des Versandriesen geboten werden (mit Videos und Fotos). Xing dagegen wird von Otto als Professional-Seite gesehen mit einer gediegeneren Ansprache und als Möglichkeit des Erstkontakts.

Recruiting: Ohne die "Klassiker" geht’s nicht

Freilich greift auch das Versandhaus weiterhin auf klassische Rekrutierungswege zurück wie Hochschulkooperationen oder Veranstaltungen. Aber ohne das Web geht es offenbar nicht mehr, auch bei Empfehlungen: "Besonders erfolgreich ist auch die Bitte an unsere Führungskräfte und Mitarbeiter, uns tolle Kandidaten aus ihrem Netzwerk oder früheren Arbeitgeber zu nennen", sagt Picard.

Bei der Einschätzung über den künftigen Stellenwert von Internetnetzwerken für das Personalmarketing gibt es eigentlich kaum einen Zweifel: "Mitarbeiter werden immer stärker zu Markenbotschaftern auf Social Media-Plattformen", sagt Sabine Vockrodt, Leiterin Stellenmarkt im Fachmagazin "Werben & Verkaufen" im Interview mit dem Fachblatt "Personalmarketing".

Der Druck wächst

Der Druck auf die Unternehmen wächst schließlich gewaltig. In einer aktuellen Umfrage des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung gaben 40 Prozent der Firmen an, bereits Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften zu haben. Bis zum Jahr 2015 rechneten sogar gut zwei Drittel der befragten Unternehmen mit einer mittleren oder starken Verknappung von qualifizierten Mitarbeitern.

Die neuen Medien ergänzen, erweitern das Personalmarketing. Ein Personaler muss sich darauf einstellen, auch, dass er via Facebook einen authentischen Ton anschlägt und nicht in steifem Geschäfts-Deutsch kommuniziert. Und er muss sich darauf einstellen, dass er mehr Arbeit hat. "Aber das rentiert sich", sagt Blöcher.

(Johanna Berger, Januar 2011 / Bild: Yuri Arcurs, Fotolia.com)