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Pharma: Hohe Gehälter

Pharma: Hohe Gehälter

Unternehmen der Pharmabranche zahlen überdurchschnittlich gute Gehälter. Junge Leute finden Stellen in Apotheken und selten in forschenden Pharmaunternehmen. 

"Pharma ist generell eine sehr hoch dotierte Branche", sagt Maria Smid, Senior Consultant bei der Unternehmensberatung Kienbaum in Wien. So steigt ein Trainee zum Beispiel mit einem Jahresgehalt von 21.000 Euro ein, ein Gruppen- oder Projektleiter verbucht jährlich durchschnittlich 37.000 Euro. Bei einem Abteilungs- oder Referatsleiter steigt das Einkommen auf 46.500 Euro, ein Hauptabteilungs- oder Bereichsleiter geht mit rund 74.000 Euro nach Hause. Das hat die gemeinsame Gehaltsanalyse der Online-Karriereportale Monster und Jobpilot ergeben.

Wien ist Spitzenreiter

Allerdings sind die Pharma-Unternehmen in Österreich dünn gesät – Wien ist Spitzenreiter, was die Arbeitgeber angeht. "Auch gelten für die Pharmaindustrie Einflussfaktoren wie Unternehmensgröße, Konzernzugehörigkeit, Region und Geschlecht." Größere Unternehmen zahlen also in der Regel mehr. Und wer schon länger dabei ist und Verantwortung trägt, kann auch mit mehr Geld in der Gehaltstüte rechnen. "Für Frauen ist mit einem Abschlag von rund 10 bis 15 Prozent zu rechnen, vor allem in höheren Führungspositionen."

In den Apotheken sieht es etwas anders aus: "Für in öffentlichen Apotheken und Anstaltsapotheken angestellte Apotheker gibt es einen eigenen Kollektivvertrag", sagt Dr. Brigitte Wunsch, Expertin bei der Pharmazeutischen Gehaltskasse für Österreich in Wien. Dabei fallen Arbeitsverhältnisse, die auf einem privatrechtlichen Vertrag beruhen, so gut wie immer unter einen Kollektivvertrag. "Unter welchen, ist abhängig vom Betrieb. Denn die Unternehmen oder Betriebseinheiten in Konzernen unterliegen dem der fachlich und örtlichen Beziehung entsprechenden Kollektivvertrag." Weil diese Vereinbarung in allen Bundesländern gilt, herrscht nach ihren Worten keine unterschiedliche Behandlung.

Keine Benachteiligung von Teilzeitarbeitenden

"Der Kollektivvertrag – in Zusammenhalt mit dem Gehaltskassengesetz- sieht ein 18stufiges Gehaltsschema mit einer Vorrückung alle zwei Jahre vor", erläutert Wunsch. "Gearbeitet wird dabei in Zehnteln – 10/10 ist ein Volldienst mit einer 40-Stunden-Woche, geringstmögliches Dienstausmaß sind 2/10, also acht Stunden pro Wochen." Wer Teilzeit arbeitet, bricht sein Einkommen auf die jeweilige Stundenzahl herunter.

"Arbeiten im Teildienst ist absolut üblich; die wenigsten Betriebe verfügen über keine Teilzeitarbeitenden." Zusatzzeiten wie etwa Bereitschaftsdienste werden extra entlohnt und sind ebenso im Kollektivvertrag verankert. "Eine Benachteiligung von Frauen als oftmals Teilzeitbeschäftigte ist daher gänzlich ausgeschlossen." In Zahlen sieht das Ganze bei voller Stundenzahl so aus: "Das Gehalt eines Apothekers in der ersten Gehaltsstufe beläuft sich auf 2.211 Euro plus 893,70 Euro Ausgleichszulage, also in Summe 3104,70 Euro brutto."

Wenig Jobs in der Forschung

"Die Dienstgeber könnrn auch freiwillig über Kollektivvertrag entlohnen, indem sie Prämien oder Zuzahlungen leisten", sagt Wunsch. "Dies passiert am ehesten dort, wo ein gewisser Arbeitskräftemangel vorherrscht oder Dienstnehmer eventuell mit besonderer fachlicher Qualifikation punkten."

Qualifikation ist der Schlüssel zu einer Anstellung in der Forschung – da allerdings sieht es in Österreich – ähnlich wie in ganz Europa – eher mager aus. Denn in der Pharma-Branche gibt es mittlerweile sehr wenig Jobs in der Forschung, wie Smid sagt. "Der Braindrain in Richtung USA und die Verlagerung der Forschungsabteilungen hauptsächlich nach Amerika und Japan hat ganz Europa in diesem Bereich geschwächt." So wurde in den siebziger und achtziger Jahren noch rund 50 Prozent der Forschung in Europa betrieben, "heute sind es nur noch 20 Prozent."

Konkurrent um gute Köpfe ist Deutschland

Doch die Pharmazie-Absolventen sind offenbar bereit, da hinzugehen, wo ein spannender Job auf sie wartet. "Auslandspraktika werden deutlich beliebter", sagt Smid. "Eine starke Abwanderung von Absolventen ist jedoch nicht zu beobachten, da die meisten Medizinabsolventen eine Arzt-Karriere und Pharmaziestudenten eher eine Apothekerkarriere anstreben." Konkurrent um die guten Köpfe ist Deutschland, das in Österreich sehr intensiv wirbt. Im Nachbarland gibt es nicht nur keine Wartezeiten und keine Sprachbarrieren, sondern auch höhere Einstiegsgehälter.

(Verena Wolff, 2008 / Bild: INFINITY, Fotolia.com)