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Das Büro wandert in die Tasche

Das Büro wandert in die Tasche

Der fest zugewiesene Arbeitsplatz im Unternehmen verliert an Bedeutung, weil die Beschäftigten immer häufiger mobile Kommunikationslösungen nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, wo sich ein Mitarbeiter gerade befindet. 

Die Zukunft der Medizin ist digital und drahtlos. Auf Tablet PCs, die Ärzte zur Visite mitnehmen, sind Patientendaten wie deren Krankengeschichten gespeichert. Auch Röntgenbilder und Labordaten können über die tragbaren PCs jederzeit am Bett des Patienten eingesehen werden, aktuelle Befunde, Medikation und Behandlungen werden bei der Visite aktuell eingegeben. Der Vorteil ist: jeder Arzt ist jederzeit auf dem aktuellen Stand durch das digitale Krankenblatt.

Dr. Daniel C. Baumgart von der Charité in Berlin will noch einen Schritt weitergehen: In Zukunft sollen Tablet PCs an der Charité schon in der medizinischen Lehre eingesetzt werden. Dafür hat Hewlett Packard (HP) der Klinik 20 Tablet PCs im Rahmen eines europäischen Wettbewerbs gespendet – auch aus Überzeugung: "Mobilität ist das Thema, das uns und unsere Kunden kurzfristig am meisten beschäftigen wird", ist Ernst Reichart, Arbeitsdirektor bei HP in Böblingen überzeugt.

Schneller Informationsaustausch wird immer wichtiger

Der mobile Arbeitsplatz gewinne im derzeitigen wettbewerbsorientierten Geschäftsumfeld verstärkt an Bedeutung, meldet Frost & Sullivan. Nach Informationen der weltweit tätigen Unternehmensberatung zählen in Nordamerika etwa die Hälfte aller Arbeitnehmer zu den sogenannten "Mobile Workers", das sind Mitarbeiter, die ihre Arbeit unabhängig von bestimmten Plätzen erledigen können.

Durch mobile Lösungen profitieren vor allem Mitarbeiter, die viel unterwegs sind, etwa Vertriebsleute. "Der schnelle Austausch von Informationen ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg", sagt Samir Sakpal, Analyst bei Frost & Sullivan. Aus diesem Grund sollten Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Angestellten auch außerhalb des Büros jederzeit problemlos und bequem auf E-Mails, Dateien, Kontaktdaten und Termine zugreifen können. "So können Produktivität, Serviceleistungen und Wettbewerbsfähigkeit enorm verbessert werden", meint der Analyst.

IT-Mitarbeiter kommunizieren am häufigsten mobil

Stefan Pfisterer, beim Bitkom, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., zuständig für Personalthemen, geht davon aus, dass in der IT-Branche hierzulande rund die Hälfte der Beschäftigten mobile Lösungen für ihre Arbeit nutzen. Dazu gehören neben den Geräten wie Handys, Laptops und PDAs auch Virtual Private Networks-Technologien, durch die Mitarbeiter sicher auf Firmennetze zugreifen können. In den Anwenderunternehmen schätzt er den Verbreitungsgrad auf rund einem Drittel: "Die Beschäftigten in der IT-Branche haben eine höhere Affinität zu neuen Technologien", ist seine Begründung. Doch die anderen werden wohl nachziehen: Das geht aus einer gemeinsamen Studie der Beratungsfirma Arthur D. Little und Ericsson hervor, die dem Markt für mobile IT-Lösungen Wachstumsraten von rund 20 Prozent in den kommenden drei Jahren voraussagt. Die Gemeinde der mobilen IT-Anwender wird demzufolge stark wachsen.

Hewlett-Packard stellt das Equipment zur Verfügung

Jürgen Banhardt, Mitarbeiter von Hewlett-Packard (HP), Ende 40 und Betriebswirt von Beruf, arbeitet überwiegend von zu Hause und das meist von nachmittags bis in die späte Nacht hinein. Er ist in weltweiten Business-Process-Outsourcing-Projekten tätig, und die Zeitverschiebungen in den jeweiligen Ländern bestimmen seine Arbeitszeit. "Wir haben ihm das notwendige Equipment zu Hause installiert, so dass er auf alles Zugreifen kann, als ob er im Büro wäre", sagt Arbeitsdirektor Reichart. HP-Mitarbeiter aus dem Vertrieb oder in internationalen Funktionen arbeiten schätzungsweise zu 80 Prozent ihrer Zeit mobil. Beschäftigte im Innendienst kommen auf 30 bis 40 Prozent. Tendenz in beiden Bereichen steigend.

Selbstorganisation, Eigenverantwortung und ein Grundverständnis für die Technologien sind die grundlegenden Voraussetzungen, um mobil arbeiten zu können. Hinzu kommen ausgeprägte Kommunikationseigenschaften. Weil Gestik und Mimik wegfallen, ist beispielsweise eine treffende Formulierung in E-Mails unterlässlich. Alle Experten raten auch zu regelmäßigen persönlichen Treffen, weil nur hier soziale Kontakte geknüpft und die Grundlage für die mobile Zusammenarbeit geschaffen werden.

Gefahren der mobilen Arbeitswelt

Ernst Reichart sieht allerdings auch Gefahren, in der neuen mobilen Arbeitswelt: "Wer immer online sein kann, kann auch immer arbeiten." Oft hätten die mobilen Arbeiter keine Erholungszeiten mehr. Das Problem könne das Unternehmen allerdings nicht lösen, das müsse der Mitarbeiter selbst in den Griff bekommen. HP gibt seinen Beschäftigten dazu Checklisten an die Hand, mit denen sie prüfen können, wie ihr Online-Verhalten ist, etwa, wie häufig an Wochenenden gearbeitet wird. "Falls Hilfe benötigt wird, sind wir da", verspricht Reichart.

Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte

HP schult die Mitarbeiter an den eigenen Geräten. Auch die Führungskräfte von HP werden intensiv auf ihre neue Rolle in Trainings unter dem Stichwort Remote-Management vorbereitet. "Das Büro des Arbeitgebers wird in Zukunft anders genutzt werden", prognostiziert Reichart, zwar nicht für alle Beschäftigten, aber für einen Großteil. Die Unternehmen der Computerbranche sind seiner Ansicht nach die Vorreiter, weil sie die Technologien und die Leute haben, die gerne damit umgehen.

(Peter Ilg, 2007 / Bild: Doreen Salcher, Fotolia.com)