Die Krise managen

Die Krise managen

Krisenmanagement  – das heißt für Personalmanager keineswegs, blind die Beschlüsse der Vorstandsriege umzusetzen. Im Gegenteil gilt es, zwischen Belegschaft und Chefetage zu vermitteln und Lösungsansätze zu entwickeln, die die Ansprüche beider Seiten bedienen.

 

Oft gilt beim Krisenmanagement dem Personalaufwand als dem unter den Kosten mit Abstand größten Brocken ein besonderes Augenmerk. Hier stecken Personaler in der Zwickmühle: Während die Chefetage den Personalbestand auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise am liebsten zusammenstreichen hätten, um die Bilanz zu retten, hielten Personaler mit "Kostensenkung light" dagegen.

Den Rotstift ansetzen – aber nicht beim Personal

Statt Mitarbeiter zu entlassen werden demnach angehäufte Überstunden abgebaut oder üppige Nebenleistungen gestrichen. Auch das von der Regierung ausgebaute Kurzarbeitsprogramm munitioniert HR in seiner besonnen Krisenbewältigungsstrategie. Motto: Klug ist, wer nicht entlässt.

Diese Entwicklung kommt für Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, nicht von ungefähr. "Jahrelang haben die Personalbereiche beharrlich auf die drohende Fachkräftelücke hingewiesen. Heute ernten wir die Früchte. In der Krise gehen viele Unternehmen bis an die betriebswirtschaftliche Schmerzgrenze, um ihre wertvollen Mitarbeiter zu schützen."

Lenker, nicht Henker

Personalmanager, die sich in dieser Diskussion durchsetzen, können in der Belegschaft an Renommee zulegen. Karl-Heinz Stroh, Personalvorstand von Praktiker, drückte es auf dem Handelsblatt-Kongress "Personal im 21.Jahrhundert" Ende Februar in München so aus: "Wir sind Lenker, keine Henker."

Nachdem Stroh der Baumarktkette als erstem deutschen Handelsbetrieb im vergangenen Jahr Kurzarbeit verordnete, wurde die Arbeitszeitbeschränkung nach Belebung der Nachfrage zu Jahresbeginn sofort wieder für nahezu alle Märkte aufgehoben. Durchatmen können auch die Beschäftigten des Automobilriesen Daimler: Nach Monaten reduzierter Arbeitszeit und empfindlicher Lohneinbußen werden die Gehälter ab Juli zumindest für Mitarbeiter in den PKW-Werken wieder in vertraglich festgeschriebenem Umfang ausgezahlt, verspricht Personalvorstand Wilfried Porth.

Blinder Gehorsam? Keineswegs!

Krisenmanagement bedeutet für Personaler also keineswegs, Beschlüsse der Chefetage in blindem Gehorsam zu exekutieren. Als zentrale Ansprechpartner der Belegschaft müssen sie sich für die Interessen der Mitarbeiter verwenden und so ein Gegengewicht zur primär bilanztechnischen Sicht des Top-Managements aufbauen. Stroh präzisierte diese Position in München: "Wir sind weder der Mülleimer der Firma, noch verschanzen wir uns im Kontor. Wir lotsen unsere Betriebe entschlossen durch die Krise."

Dabei agieren Personaler gleich in mehreren Rollen. Neben ihrer administrativen Aufgabe, etwa die Lohn- und Gehaltsabrechnung pünktlich und fehlerfrei zu garantieren, müssen sie schmerzhafte Veränderungsprozesse moderieren und die Belegschaft zu höherem Einsatz motivieren. "In der Krise sind Vorgesetzte mit total verunsicherten Mitarbeitern konfrontiert. Bei dieser schwierigen Führungsaufgabe müssen wir ihnen den Rücken stärken", betonte Simone Siebeke, bei Henkel in Düsseldorf für die Personalarbeit verantwortlich, auf dem Münchner Kongress. Hinzu kommt das schwierige Unterfangen, den Wettbewerb im Kampf um die besten Arbeitskräfte auf Abstand zu halten.

Vorsicht vor Überlastung

Bei dieser weitgehend unbekannten wie anspruchsvollen Aufgabenvielfalt stößt mancher Personaler irgendwann an seine Grenzen. Das Risiko, einen Burnout zu erleiden, steigt besonders in Krisenzeiten rapide an. Die Sorge, den Erwartungen nicht standzuhalten, nimmt bedrohlich zu: Durchschnittlich 55 Prozent aller Personalmanager arbeiten aus Angst um ihren Arbeitsplatz auch dann, wenn sie krank sind, heißt es in einer Studie des Personaldienstleisters Robert Half.

Doch nicht nur Krankheit oder die vorzeitige Ablösung sitzt den Personalern im Nacken. Viele wagen sich auf ein für sie neues Terrain, um – durchaus zu Recht – ihre Leistungen besser zu verkaufen. So sehr extrovertierte, selbstbewusst auftretende Macher auch gefragt sind und das angestaubte Image vom Bürokraten im Hinterzimmer endlich ad acta legen wollen, so wenig sind die meist als Verwalter sozialisierten Personaler mit den Fährnissen der Kommunikation vertraut.

Kommunikation in der Krise

Besonders in Krisensituationen begeben sich Personaler auf glattes Parkett, meint der Kölner Berater Manfred Böcker, der sich auf Personalkommunikation spezialisiert hat. "In Krisenkommunikation geübte Personaler gibt es in Deutschland kaum." Freilich dürften sie sich deshalb nicht in ihr Kämmerlein zurückziehen.

Sie seien sogar in der Pflicht, fachliche Zusammenhänge zu erläutern, was von den offiziellen Firmensprechern nur noch in die richtige Sprache übersetzt zu werden bräuchte. "Gerade im Krisenfall gilt: Wer als Personaler an der Pressestelle vorbei kommuniziert, erweist sich selbst und dem Unternehmen einen Bärendienst."

(Winfried Gertz, Mai 2010 / Bild: Olly, Fotolia.com)