Die Macht der Redepause

Kommunikation mit Mitarbeitern

Die Macht der Redepause

Verhandlung, Mitarbeitergespräch, Besprechung, Meeting, Wer versucht, zu verhandeln, indem er in Besprechungen oder Meetings ohne Punkt und Komma redet, wird wenig Erfolg haben. Gekonnte Pausen geben Ihren Gesprächen Struktur, helfen Ihnen, Verhandlungen zu lenken und vermitteln Ihren Mitarbeitern das Gefühl, wertgeschätzt zu werden.

 

 

von Emily Walton

Ohne Verhandlungen geht es im Berufsalltag nicht: Gehälter müssen verhandelt werden, Mitarbeitergespräche geführt und Karrierepläne besprochen werden. Natürlich: In diesen Verhandlungen und Meetings geht es um die Inhalte, ja. Als guter Redner bedarf es einer soliden Kenntniss der Sachverhalte. Ihre Argumente müssen logisch und nachvollziehbar sein. Aber ebenso wichtig wie das tatsächlich Gesagte ist das "Wie". Wie verhandeln Sie? Preschen Sie ungebremst vor – ohne Punkt und Komma? Oder halten Sie sich bedeckt, um mehr über Ihr Gegenüber zu erfahren? Leiern Sie monoton Ihre Ansichten herunter? 

Das richtige Tempo


"Sprache ist Ausdruck unserer Persönlichkeit", sagt Kommunikations-Profilerin Tatjana Lackner von der Schule des Sprechens in Wien. Um die eigene rhetorische Persönlichkeit zu akzentuieren, hilft oftmals der einfache Leitsatz "Weniger ist mehr". Beobachten Sie große Redner: Nach wichtigen Sätzen/Blöcken machen sie eine Pause. Warum? 

"Weil Rededramaturgie Pausen braucht", sagt Lackner. Wer Pausen macht, wirkt als Verhandlungspartner souverän und kompetent. Ganz im Gegenteil zu solchen Gesprächspartnern, die hastig sprechen und  jede Betonung vergessen. Wer etwa das Satzende frageartig betont, wirkt wenig professionell – und auch unsicher! Pausen zu setzen – das  muss natürlich geübt werden. "Es kostet schließlich Nerven, vor dem Gegenüber gelassen zu bleiben und nichts zu sagen", sagt Expertin Lackner.

Pause ist nicht gleich Pause


Es gibt die herkömmliche Atemzäsur, die jeder Sprechende braucht, um Luft zu holen. Zudem gibt es ganz bewusst eingesetzte Pausen, die ein Gespräch fördern und den Ausgang einer Verhandlung maßgeblich beeinflussen können: Entscheidungspausen etwa bieten Ihrem Gegenüber Zeit, nachzudenken. Kommunikative Pausen erlauben Zustimmung des Gegenübers: Kommt er noch mit? Oder ist er längst ausgestiegen?
Mit regelmäßigen Pausen geben Sie Ihrem Gegenüber ein Gefühl der Wertschätzung. Noch ein weiterer "Pausenbonus": Mit Hilfe einer sogenannten Sinnpause lässt sich ein bestimmter Sachverhalt besonders hervorheben.

Pausen als Strukturelement


Als Personalchef haben Sie in Mitarbeitergesprächen und Gehaltsverhandlungen hierarchiebedingt die Oberhand. Mitunter ist es Ihre Aufgabe, das Gespräch zu leiten und – eben auch durch Pausen – zu strukturieren. Hier ist es ratsam, durch einleitende Worte das Gespräch zu beginnen und anschließend Ihre Vorstellungen einzubringen. Eine Pause am Ende des Gesagten gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihr Gegenüber anzusehen. 

Dieser fühlt sich beachtet und Sie haben die Möglichkeit, aus seiner Körperhaltung abzulesen. Ist Ihr Gegenüber unsicher? Souverän? Pokert er? Wichtig ist in Verhandlungen, den Sprecherwechsel zuzulassen: Geben Sie Ihrem Mitarbeiter die Chance, seine Wünsche zu artikulieren. Pausieren Sie auch hier, um zuzuhören. Unterbrechen stört Verhandlungen!

In Verhandlungen geht es in erster Linie darum, einen passenden Output für beide Seiten zu finden: Ihr Mitarbeiter ist mit dem aktuellen Gehaltsschema nicht zufrieden? Sie können aber nicht mehr zahlen? Wie können Sie dem Mitarbeiter entgegenkommen? Legen Sie nach jedem Vorschlag eine kleine Pause ein.  Solche Nachsatzpausen vergleicht Expertin Lackner mit einem Absatz in einem Text: "Sie geben Gelegenheit, das Gehörte zu verdauen und auch darüber nachzudenken."

Keine falschen Pausen!

Achtung: Zu viele Kunstpausen in Verhandlungen sind fehl am Platz – vor allem dann, wenn sie aus Gefallsucht eingesetzt werden. "Jemand, der sich hörbar beim Reden genießt, indem er bedeutungsschwangere Leerläufe etabliert, hilft seiner Performance nicht", warnt Kommunikationsprofi Lackner. Nicht nur, dass Sie als Verhandlungspartner an Glaubwürdigkeit verlieren, Sie belasten auch Ihren Gesprächspartner. Denn Pausen können verwirrend wirken.

Zu viele Pausen

Natürlich gibt es auch die Situation, in denen Pausen entstehen, die nicht gesprächsfördernd sind: Etwa dann, wenn Ihr Gegenüber von Natur aus eher zurückhaltend ist. Oder auch, wenn er blockiert ist – etwa den Inhalt des Gesprächs ablehnt oder sich überfordert fühlt. Auch äußere Faktoren (etwa eine Baustelle vor dem Fenster) führen zu Pausen und Gesprächsunterbrechungen. 

Hier liegt es an einem guten HR-Chef, geschickt das Gespräch wieder in die richtige Bahn zu lenken. Sie können das gerade Gesagte wiederholen oder Gesprächsbrücken einbauen. Etwa: "Sie meinen also…" oder "Das heißt…".. Damit hilft man dem Gegenüber auf die Sprünge. In manchen Situationen empfiehlt es sich auch, die entstandene Pause direkt anzusprechen. Eine unangenehme Stille wird dann entkrampft.

Achtung: In manchen Kulturkreisen sind Pausen üblicher als in anderen! Die Finnen etwa legen sehr häufige Gesprächspausen ein, während es im deutschsprachigen Raum eher unüblich ist, kurz innezuhalten. Pausen zu akzeptieren, ist ebenso wichtig wie das gekonnte Setzen von Redezäsuren. Jeder Gesprächsteilnehmer hat andere Pausenbedürfnisse. Ein Verhandlungsprofi kann damit umgehen!

(Bild: Istockphoto)

________________________________________________________________________________

Das könnte Sie auch interessieren:

Das Gehaltsgespräch
"Chef, wie wär's mal mit einer Gehaltserhöhung?" — Diese Frage können Führungskräfte nicht stillschweigend ignorieren. Was tun also, wenn ein Mitarbeiter mehr Geld will? Artikel lesen>>>

… unserem Angebot für Deutschland


Verhandlung, Mitarbeitergespräch, Besprechung, Meeting, Meetings effizient leiten
Meetings und Besprechungen prägen den Manageralltag. Trotzdem sind fast zwei Drittel von ihnen sind mit Verlauf und Ergebnissen unzufrieden. Wie man aus Sitzungen das Beste herausholt. Artikel lesen>>>

Verhandlung, Mitarbeitergespräch, Besprechung, Meeting, Tipps für das Vorstellungsgespräch
Das Vorstellungsgespräch hat eine Schlüsselfunktion in der Rekrutierung. Allerdings nur mit den richtigen Fragen. Die sollten wohl überlegt sein, auch die möglichen Antworten der Bewerber. Artikel lesen>>>

Verhandlung, Mitarbeitergespräch, Besprechung, Meeting, Tipps für das Konfliktmanagement
Konflikte scheinen immer plötzlich aufzutauchen. Damit dem Unternehmen kein Schaden entsteht, ist es wichtig, Konflikte möglichst frühzeitig zu erkennen und aufzudecken. Expertin Yvonne Wolf erklärt mit Praxisbeispielen, wie Sie Konflikte bereits im Frühstadium erkennen und lösen. Artikel lesen>>>

Verhandlung, Mitarbeitergespräch, Besprechung, Meeting, Chef ich will mehr Geld!
Wenn Geld in der Kasse des Unternehmens liegt, wollen viele Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung. Darum sollten Führungskräfte auf Gehaltsgespräche vorbereiten sein und wissen, wann eine Lohnsteigerung gerechfertigt ist. Artikel lesen>>>