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Leiharbeit: Mitarbeiter auf Zeit

Leiharbeit: Mitarbeiter auf Zeit



Leih- bzw. Zeitarbeiter sind flexibel einsetzbar und somit für Firmen interessant. Sie helfen Spitzenzeiten zu überbrücken und dennoch den eigenen Personalstab schlank zu halten. Wie "Mitarbeiter zweiter Klasse" dürfen sie aber nicht behandelt werden. Faire Bezahlung und klare Regelungen sind ein Muss.

 

 

 

Hochkonjunktur für Zeitarbeiter: Die Zahl der Zeitarbeiter, auch Leiharbeiter genannt, hat in den vergangenen Jahren in Österreich deutlich zugenommen. Rund 75.000 Zeitarbeiter gibt es in Österreich (Ergebnis einer Statistik des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Stichtag 31. Juli 2011.) Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 13 Prozent.

"Die Nachfrage nach Zeitarbeit mit Qualität wird auch in Zukunft steigen", sagt Michael Wottawa, Managing Director des Personaldienstleisters Start People Austria. "Waren es 2002 noch 1,5 Prozent, so sind 2011 bereits 2,3 Prozent aller Arbeitnehmer als Zeitarbeitskräfte im Einsatz. In unseren internen Prognosen rechnen wir für Österreich in den nächsten zwei Jahren mit einem Anstieg auf vier Prozent." Vor allem in Branchen wie der Automobil-, Elektronik-, Metall- oder Nahrungsmittelindustrie wird man künftig verstärkt auf Arbeitskräfte von außen zurückgreifen.

Zeitarbeiter sind vollwertige Mitarbeiter

Die Besonderheit der Zeitarbeit ist das Dreiecksverhältnis zwischen dem Überlasser (= Zeitarbeitsunternehmen), dem Beschäftigten (= Zeitarbeiter) und dem Arbeitgeber (= Unternehmen mit Personalbedarf). Wichtig ist in diesem Dreieck, dass Zeitarbeiter nicht wie "Mitarbeiter zweiter Klasse" behandelt werden: Sie sind gesetzlich dem Stammpersonal des jeweiligen Unternehmens gleichgestellt.

Das heißt: Der Zeitarbeiter ist grundsätzlich in die Organisation des Unternehmens eingegliedert, dem er überlassen wird und arbeitet unter der Anweisung des dortigen Managements. Dieses ist verantwortlich für die klassischen Arbeitgeberpflichten vor Ort – wie etwa Arbeitnehmerschutz.

Damit die Zusammenarbeit gelingt, ist es nötig, dass die Anforderungen an den Zeitarbeiter rechtzeitig definiert und mit seinen Qualifikationen abgestimmt werden. Nur so kann das Zeitarbeitsunternehmen seine Pflicht erfüllen: einen geeigneten, einsatzfähigen Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Vertragliche Regelung nach Kollektivvertrag

Der Arbeitnehmer hat einen Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen, das ihn an das suchende Unternehmen "verleiht". Wie der Verdienst geregelt wird, hängt von der Art des Arbeitsverhältnisses ab. Mitarbeiter, die als Arbeiter tätig sind, werden nach dem eigenen Kollektivvertrag für Arbeitskräfteüberlasser entlohnt.

Für Angestellte, die verliehen werden, gilt der Kollektivvertrag im jeweiligen Handwerk oder Gewerbe. Außerdem ist bei der Bezahlung auf die Entlohnung des Kollektivvertrages im jeweiligen Betrieb zu achten. Achtung: Unter diesem Wert darf der Lohn unter keinen Umständen liegen. Die Gleichbehandlung mit dem Stammpersonal drückt sich also vor allem in einer Gleichbezahlung aus.

Für die korrekte Einstufung, Abrechnung und Bezahlung ist übrigens der Überlasser, also das Zeitarbeitsunternehmen zuständig. Die Arbeitgeberpflichten am Arbeitsplatz, etwa bezüglich der Sicherheit, obliegen allerdings dem Unternehmen, an das der Zeitarbeiter verliehen wird.

Aufgepasst: Auch wenn Arbeitnehmer nicht eingesetzt werden können und Stehzeiten haben, müssen sie voll bezahlt werden!

Zeitarbeiter müssen informiert werden

Die Details des temporären Jobs müssen dem Arbeitgeber vom Verleiher jedes Mal mitgeteilt werden: Der Zeitarbeiter hat das Recht den Ort der Beschäftigung und das Unternehmen, in dem er beschäftigt sein wird, zu erfahren. Auch über die Tätigkeit und Bezahlung muss er in Kenntnis gesetzt werden.

Achtung: Ein Zeitarbeiter wird nicht "auf Nimmerwiedersehen" entsandt. Der Überlasser hat ihm auch mitzuteilen, wie lange der Einsatz voraussichtlich dauern wird.

Bezüglich der konkreten Arbeitszeit muss wieder auf den jeweils gültigen Kollektivvertrag geachtet werden. Achtung: Wenn in der betreffenden Branche eine verkürzte Arbeitszeit gilt, ist davon auch der Leiharbeiter erfasst – sein vereinbartes Entgelt darf dadurch nicht verringert werden! Teilzeitarbeit ist selbstverständlich auch bei der Zeitarbeit möglich, muss aber entsprechend geregelt werden.

(Emily Walton, Februar 2012 / Bild: Gabi Moisa )

 


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