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Bewerbungsgespräch: Die richtige Fragetechnik

Bewerbungsgespräch: Die richtige Fragetechnik

Vorstellungsgespräch, Bewerbungsgespräch, Bewerbung, Jobinterview, Fragen im VorstellungsgesprächNur wer zielorientierte Fragen im Bewerbungsgespräch an Bewerber stellt, bekommt brauchbare Antworten und gute Mitarbeiter. Tipps für effiziente Interviewtechniken.

 

 

 

Von Emily Walton 


In der Personalauswahl gibt es Standardfragen. Personalchefs kennen sie. Bewerber auch. Letztere bereiten sich darauf vor, liefern im Interview Standardantworten ab, die sie vorher einstudiert haben. Selten aber sagt das tatsächlich etwas darüber aus, ob der Bewerber in Ihr Unternehmen passt. Oberstes Ziel eines Jobinterviews sollte es daher sein, brauchbare Antworten zu bekommen.

Die Richtigen finden

"Personaler stehen vor der Herausforderung jene Menschen zu finden, die miteinander die beste Leistung erbringen", so Leopold Faltin von der Coaching– und Unternehmensberatung meincoach.at. "Nicht die besten elf Einzelpersonen zählen, sondern die beste Elf." Die beste Mannschaft für ein Unternehmen zusammenzustellen ist Aufgabe der Personaler. Ihr wichtigstes Werkzeug: Das Interview.

Dieses sollte strukturiert angelegt sein. Denn: "Erfahrungsgemäß schneiden unstrukturierte Interviews deutlich schlechter ab", sagt Experte Faltin. "Werden Fragen hingegen vorher gut überlegt, erhalten Sie Ergebnisse, die mit jenen eines Assessment Centers vergleichbar sind".

Wie planen? 

Um Interviewsituationen zu optimieren, sollten dieFragen vorab gemeinsam mit dem potentiellen Vorgesetzten des Bewerbers konzipiert werden. Er kennt schließlich die exakten Anforderungen sowie die Kollegen, mit denen der Bewerber zusammenarbeiten müsste. "Die Fragen an den Kandidaten sollten sich auf Verhaltensweisen in konkreten Situationen beziehen", rät Faltin. Achtung: Es empfiehlt sich nach typischen Situationen zu fragen, die tatsächlich vorkommen, anstatt nach Verhaltensweisen in Extremsituationen!

Faltin empfiehlt außerdem, Interviews nicht alleine zu führen. Eine weitere qualifizierte Person sollte herangezogen werden, um das Ergebnis stichfest zu machen. Gemeinsam mit dem zweiten Interviewer kann ein Bewertungsraster angelegt werden. Schon vorab sollte überlegt werden, wie Fragen bewertet werden sollen.

Ein Tipp: Jeder Interviewer sollte zuerst die Antworten des Kandidaten für sich bewerten und sie in der Folge gemeinsam mit dem Partner analysieren.

Wie fragen?

Einige Grundregeln für gutes Frageverhalten liegen auf der Hand, werden aber allzu oft vernachlässigt. Es ist etwa wichtig, kurze Fragen zu stellen. Zu viele Fragen auf einmal können den Bewerber verwirren. Langwierige Fragen führen oft zu kurzen Antworten, die wenige Informationen preisgeben.

"Achten Sie darauf, offene Fragen zu stellen", sagt Faltin. Damit bekommt der Bewerber die Möglichkeit, mehr Informationen über sich preiszugeben. Offene Fragen sind so formuliert, dass der Gesprächspartner darauf nicht nur mit "ja" oder "nein" antworten kann, etwa:

  • Wie sind Sie auf die Stelle aufmerksam geworden?
  • Was interessiert Sie besonders an dieser Position?
  • Wie stellen Sie sich einen typischen Arbeitstag vor?

"Geschlossene Fragen können in der Folge zur Konkretisierung eingesetzt werden." Oder um besonders redselige Bewerber zu bremsen…

Offene Fragen geschickt formulieren

Achtung: Fragen, die mit "Warum" oder "Wieso" beginnen sind offene Fragen, ja. Allerdings führen sie dazu, dass der Bewerber glaubt, sich rechtfertigen zu müssen. Die Antworten können dadurch verzerrt werden. Statt also zu fragen: "Warum haben Sie Ihren Job aufgegeben?" bietet sich die folgende Formulierung an: "Welche Beweggründe gab es für Sie…?" oder: "Was hat dazu geführt, dass…?"

Ein Tipp: Wer dazu neigt, geschlossene Fragen zu stellen, kann üben, diese umzuformulieren. Ein Beispiel: Die Frage "Waren Sie mit dem Ergebnis des Projekts zufrieden?" lässt sich schnell umbauen: "Welche Aspekte des Projekts sind Ihnen besonders gut gelungen?"

Nochmal nachhaken: Erläuterungsfragen stellen

Natürlich sollten Personaler auch nachfragen: "Erläuterungsfragen eigenen sich hier besonders gut", sagt Coach Faltin. Ein Beispiel: "Sie sagen gerade, die Situation war eine besonders herausfordernde. Worin genau lag diese Herausforderung?" 

Professioneller Interviewer gleich professioneller Zuhörer

Ein guter Interviewer zeichnet sich nicht nur durch seine Fragen aus: Er zeigt sich auch als professionelles, wertschätzendes Gegenüber. Während des Interviews sollten Telefone lautlos gestellt oder umgeleitet werden. Handlungen, die darauf hindeuten, dass Sie abwesend oder gelangweilt sind, sollten unbedingt vermieden werden. Etwa andauerndes Herumkritzeln auf dem mitgebrachten Notizblock. Sinnvolle Notizen zum Interview sind hingegen natürlich erwünscht!

Eine wichtige Kompetenz des guten Interviewers ist das Zuhören. "Dazu gehört auch, Stille zuzulassen, während der Kandidat nachdenkt", sagt Berater Faltin. "Wenn Sie zu schnell ins Wort fallen oder nachhaken, bringen Sie sich um wichtige Informationen." Grundsätzlich gilt: Im Job-Interview geht es um den Bewerber! Personalchefs etwas über ihr Gegenüber erfahren. Am ehesten gelingt das, wenn man sich im Hintergrund hält, sich für den Kandidaten interessiert und an den richtigen Stellen das Gespräch lenkt. (Bild: Istockhoto)